Jedem Dritten droht Armut

„Alters-Hartz-IV“: Alarmierende Rentenprognose für den Landkreis Uelzen

+
Jedem dritten Beschäftigten im Landkreis Uelzen droht laut NGG Altersarmut.

Uelzen/Landkreis. Den künftigen Senioren im Landkreis Uelzen droht Altersarmut in einem größeren Ausmaß, als bislang angenommen. Das befürchtet die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).

Rund 13.000 Arbeitnehmer würden – so, wie sie heute arbeiten – nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Und das, wenn sie nach immerhin 45 Berufsjahren in den Ruhestand gingen.

Das wäre jeder dritte Beschäftigte im Landkreis. Die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ liegt aktuell bei 749 Euro im Monat – Wohnkosten inbegriffen. Laut der Rentenanalyse, die das Pestel-Institut für die NGG erstellt hat, könnten 2030 sogar rund 18.000 Arbeitnehmer als Rentner unterhalb der Grundsicherung landen, wenn die durchschnittliche Rente auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte. Denn die Bundesregierung hat lediglich eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2025 vereinbart.

„Das reicht nicht aus“, sagt Steffen Lübbert, Geschäftsführer der NGG-Region Lüneburg und spricht von „alarmierenden Zahlen“. Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse später von seiner Rente leben können. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben.

Und auch die Arbeitgeber sieht die NGG in der Pflicht: „Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen“, so der Gewerkschafter. Gerade wer einen Teilzeit- oder Minijob hat, müsse sich auf einen „extrem mageren Rentenbescheid“ einstellen. Das betreffe besonders häufig Frauen.

„Die Dunkelziffer ist noch viel höher“, ist sich Dierk Hilterhaus vom Verein Schuldnerberatung Lüneburger Heide sicher. Doch für viele Rentner, die einen Anspruch auf Grundsicherung hätten, sei die Hemmschwelle, eine soziale und kostenfreie Schuldnerberatung aufzusuchen, zu groß: „Oft bleibt der Kühlschrank dann leer.“ Häufig sei das bei ehemals Selbstständigen der Fall, die fürs Alter nicht vorgesorgt haben.

Künftig wird Altersarmut laut Hilterhaus aber auch noch mehr Angestellte betreffen, „wenn die Generation in Rente geht, die es heute versäumt, zusätzlich zur gesetzlichen Rente vorzusorgen“. Denn gerade Kleinverdiener würden derzeit von der Politik im Stich gelassen: „Es kann nicht sein, dass sie einem Sozialleistungsempfänger gleichgestellt werden, obwohl sie 45 Jahre gearbeitet haben.“

Von Sandra Hackenberg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare