Raubprozess: Zeuge gibt Falschaussage zu – zwei Männer freigesprochen

Jahrmarkt-Besuch in Uelzen endet vor Gericht

Nach dem Martinimarkt im Jahr 2019 sollen die zwei Angeklagten einen Uelzener geschlagen und getreten haben, um an die Tabletten im Rucksack des Opfers zu kommen. 
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Nach dem Martinimarkt im Jahr 2019 sollen die zwei Angeklagten einen Uelzener geschlagen und getreten haben, um an die Tabletten im Rucksack des Opfers zu kommen.

Uelzen – Was geschah in der Nacht des 19. Oktober 2019? Diese Frage stellte sich jetzt das Schöffengericht im Uelzener Amtsgericht. Angeklagt waren zwei heute 19 Jahre alte Uelzener, die an der Bahnhofstraße gegen 0. 30 Uhr einen weiteren Uelzener angegriffen haben sollen.

Den beiden syrischen Staatsbürgern wurde vorgeworfen, die Ritalin-Tabletten aus dem Rucksack des Opfers klauen zu wollen. Dabei habe einer der Angeklagten dem Geschädigten zudem eine Kopfnuss gegeben, woraufhin dieser zu Boden ging. Beide Beschuldigte hätten dann auf ihn eingetreten.

Die Angeklagten wiesen die Vorwürfe zurück. Sie seien in der betroffenen Nacht nach dem Martinimarkt in Richtung Innenstadt gegangen. Dabei hätten sie einen weiteren Bekannten getroffen, der mit dem Geschädigten in Streit geraten sei. Nach Aussage der Beschuldigten haben sie nur schlichtend eingegriffen, woraufhin sich die Wege der Streithähne getrennt haben.

Als erster Zeuge war der Begleiter des Opfers geladen. Dieser bestätigte in seiner Aussage die Geschichte der Angeklagten – und widersprach damit massiv seiner damaligen Aussage bei der Polizei. Hier hatte er noch angegeben, der Vorfall sei von den Angeklagten ausgegangen. Er sei „stark angetrunken“ gewesen, erzählte der 18-jährige Zeuge vor Gericht, und habe sich deshalb bei der Polizei nicht an die Geschehnisse erinnern können. Er habe daher nur zu Protokoll gegeben, was ihm der Geschädigte eingeredet habe. „Weil es mir peinlich war, dass ich betrunken war“, wie er erklärte. Inzwischen sei die Erinnerung aber Stück für Stück zurückgekehrt.

Mehrmals fragte Richterin Hagemann nach, ob der 18-Jährige seine Aussage geändert habe, weil er Angst habe oder unter Druck gesetzt worden sei. Dies verneinte der Zeuge. Einem Verhandlungstermin im Juni blieb er bereits fern. „Es ist ein verdammt hohes Gut, hier die Wahrheit zu sagen“, stellte Hagemann klar. „Ja, ich habe eine Falschaussage gemacht“, gab der 18-Jährige daraufhin nach einigem Zögern zu. Weitere Angaben wollte er nicht mehr machen, um sich nicht selbst zu belasten.

Als Zeuge geladen war außerdem der Bekannte der Angeklagten, von dem die Tat ausgegangen sein soll. Dieser gab zu, allein am Streit um den Rucksack beteiligt gewesen zu sein – und entlastete damit die beiden Angeklagten. Diese wurden daraufhin freigesprochen.

VON DANIEL BIELING

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