Ein Jahrhundert Uelzener Kinogeschichte: Central-Theater feiert mit Frühstück und 100 Preisen

Prosit zum 100. Geburtstag

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„100 Jahre: Da geht noch was“: Uelzens Kinokönigin, Renate Böhm, stößt an – auf ein Jahrhundert Central-Theater.

Uelzen. „Cäsar und Cleopatra“ haben das Uelzener Central-Theater vor 100 Jahren eröffnet – stumm und in Schwarz-Weiß. Seitdem haben die Filmproduktion und auch das Gebäude an der Bahnhofstraße einen riesigen Wandel erlebt.

Und mit ihm auch die Herausforderungen an ein Kino, weiß die Leiterin des Central-Theaters, Renate Böhm, die nun den runden Geburtstag mit der Eröffnung einer neuen Veranstaltungsreihe feiern will, einem ersten Kino-Frühstück.

So sah das Central-Theater an der Bahnhofstraße in Uelzen um 1957 aus.

„Du musst nicht unbedingt selbst viel von der neuen Technik verstehen“, sagte sich die Kinochefin, deren Mann 1978 das Central-Theater gekauft hatte, „du musst nur weiter gute Ideen haben und sie umsetzen.“ Und wegen dieser Ideen – wie Autogrammstunden bekannter Filmschauspieler, das Senioren-Kino, der Filmkunsttag und die Live-Übertragung von Opern – hat sie es geschafft, mit dem Central-Theater auch Zeiten zu überstehen, in denen sich Fernseher etablierten und später Videos und DVDs zu einer stärkeren Konkurrenz wurden. Dafür wurde sie im vergangenen Jahr – ihrem 50. Jahr an der Kinokasse – mit der Ehrengabe der Stadt und dem Kulturpreis des Landkreises ausgezeichnet. Anderen Filmtheatern geht es anders, weiß die 71-Jährige: „Es werden sicher noch 500 von den ungefähr 4800 Kino-Sälen bundesweit in den nächsten Jahren schließen“, vermutet sie. Während eine Kinomaschine 35 bis 40 Jahre lang gehalten habe, sei bereits drei Jahre nach der Digitalisierung im Central-Theater der Hauptserver ausgefallen. Rund 500 000 Euro hatte sie in die Digitalisierung investiert, die Reparatur des Hauptservers kostete etwa 40 000 Euro, berichtet Renate Böhm.

„Ich habe einen tollen Job“, findet sie und erinnert sich besonders gerne an zwei Aktionen: Als 2006 Otto Walkes seinen Zwerge-Film machte, warb

sie dafür, dass er selbst Uelzen sowie ihre Kollegen in Verden, Walsrode und Salzwedel besuchte. „In der Provinz sind die richtigen Fans“, habe sie ihm gesagt. Und dann kam er mit dem Zwergenmobil: „Wir hatten einen ganzen Wald für ihn aufgebaut.“ Das Foyer war voller Büsche und Sträucher und Gäste – „er musste auf einen Stuhl steigen, weil man ihn sonst gar nicht sehen konnte“. Sie nahm ihm seine Handabdrücke ab, und als Otto Walkes 2012 erneut in Uelzen war und den sechsmillionsten Besucher seines jüngsten Filmes kürte, habe auch er sich gut an das Kino in der Uhlenköperstadt erinnert: „Er war begeistert“, freut sie sich.

Ein weiterer Höhepunkt war für sie „Dumbo“. Als 2003 der fliegende Elefant im Kino gezeigt wurde, herrschte auf der Bahnhofstraße Ausnahmezustand: Böhm lud den Elefanten eines Zirkusses ein – vor die Kulisse des Central-Theaters.

Von Diane Baatani

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