46-Jähriger Uelzener wegen Missbrauchs der Tochter zu Haftstrafe verurteilt

Verurteilt wegen Missbrauch: „Es war Rache“

Dreieinhalb Jahre Haft verhängte das Landgericht gegen den Vater – er will jetzt vor den Bundesgerichtshof ziehen. Archivfoto: Behns

Uelzen/Lüneburg. „Wäre es eine Inszenierung gewesen, wäre sie geradezu genial“, kommentierte Thomas Wolter, Vorsitzender Richter der 2. Großen Jugendkammer am Landgericht Lüneburg, die Aussagen von Nicole S.

Doch was die heute 20-jährige Uelzenerin, die selbst Drehbücher schrieb und mit einem Projekt sogar den Hollywood-Produzenten Fred A. Wyler begeisterte, dem Gericht präsentierte, war derart gespickt mit Details, dass der Richter äußerte: „Das kann man nicht erfinden, und so clever ist sie auch nicht.“ Es seien also keine Geschichten, mit denen sie ihren Vater belastet: Die Kammer verurteilte den 46-jährigen Matthias S. wegen sexuellen Missbrauchs der Tochter und eines Falls des Geschlechtsverkehrs mit ihr zu drei Jahren und sechs Monaten Haft. Der Angeklagte hatte nach der Beweisaufnahme erneut die Taten bestritten: „So etwas Absurdes würde ich nie tun.“ Seiner Tochter warf er Schauspielerei vor: „Die kann Menschen überzeugen.“ Zum Motiv für „die falschen Anschuldigen“ sagte der in zweiter Ehe verheiratete S.: „Sie erfüllte den Wunsch ihrer leiblichen Mutter, es war Rache am Ex-Mann aus verschmähter Liebe.“ Der Tochter warf er vor, psychisch krank zu sein, ihre Zwillingsschwester sei noch während der Schwangerschaft gestorben, das habe bei Nicole eine posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst. Nicht die geringsten Anzeichen für psychische Auffälligkeiten sah indes die Kammer bei der Zeugin. In diesem Aussage-gegen-Aussage-Verfahren schenkten die Richter der Tochter Glauben und sehen sich in einem Glaubwürdigkeitsgutachten bestätigt. Von zunächst 328 angeklagten Fällen blieben zwölf übrig. Die erste Tat geschah im Jahr 2002, als Nicole S. elf Jahre alt war. Der Vater fasste ihr an die Brust. Erst zwei Jahre später ereignete sich der nächste, härtere Übergriff, als sich der Angeklagte – stark alkoholisiert nach einer Kneipentour– zu Nicole S. legte, die auf dem Ehebett gerade für einen Klassenarbeit paukte. Bei anderen Taten zeigte er Nicole zunächst Pornos, darunter einen mit ihm selbst und seiner zweiten Frau, bevor er die Jugendliche missbrauchte. Im Mai 2009 kam es dann zum vollzogenen Geschlechtsverkehr. Monate später zog Nicole zu ihrer leiblichen Mutter, offenbarte sich ihr. Und die drängte die junge Frau, zur Polizei zu gehen. Im Urteil hielten die Richter Matthias S. zugute, dass er keine Vorstrafen hat und keine körperliche Gewalt bei den Taten angewendet hatte. Thomas Wolter hielt ihm allerdings eindringlich vor: „Sie haben, weil sie kein Geständnis ablegten, ihre Tochter ein weiteres Mal missbraucht – dadurch, dass sie zu ihren Aussagen zu den Verhandlungstagen kommen musste.“ Dabei habe sie „keinen wirklichen Ehrgeiz gezeigt, Sie in die Pfanne zu hauen“, sie habe ihn nach wie vor lieb, ihr sei aber klar: „Er muss für das geradestehen, was er getan hat.“ Der Verteidiger kündigte nach dem Urteil an, dass sein Mandant in die Revision vor den Bundesgerichtshof ziehen werde.

Von Rainer Schubert

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