AUS DEM GERICHT: Nach Streit zielt 38-Jähriger mit Gaspistole auf Ex-Freundin und drückt ab

Auf 13 Jahre Liebe folgt Trennung mit Knarre

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Mit einer Gaspistole hat ein Mann auf seine Ex-Freundin gezielt.

Uelzen – „Zum Glück war es nur ein ,Klick’ und es ist glimpflich abgegangen“, sagt Richter Rainer Thomsen am Mittwochmorgen im Amtsgericht Uelzen zu dem Angeklagten.

Der 38-jährige M. aus Uelzen steht vor Gericht, da er im August 2018 seine Ex-Freundin im Streit zuerst mit einer Gaspistole bedroht und dann abgedrückt haben soll. Die Waffe war nicht geladen.

Richter Thomsen lässt sich zuerst vom Angeklagten seine Sicht der Dinge schildern. „An Vieles kann ich mich nicht mehr erinnern, ich hatte einfach zu viel getrunken“, erklärt M. . Wie aus dem Nichts habe er an dem Abend erfahren, dass sich seine Freundin von ihm trennen wolle. Dann schildert M. die Gründe für die Trennung: Sie hätten sich auseinandergelebt, zu viele Nachtschichten, zu wenig gemeinsame Zeit.

Als erster Zeuge wird das vermeintliche Opfer von M., seine Ex-Freundin in den Gerichtssaal gerufen. Ruhig schildert R., dass sie gestritten hätten und es dann eskaliert sei. „Erst hat er mein Handy auf den Boden geschmissen und mich dann eben mit der Pistole bedroht.“ Hier hakt Thomsen nach: „Wie hat er das denn genau gemacht? Hatten sie denn keine Angst?“ R. sagt: „Er hat sie direkt vor die Stirn gehalten und dann hat es ,Klick’ gemacht. Ich hatte schon ein bisschen Angst, ist ja logisch.“ Daraufhin konfrontiert Thomsen sie mit ihrer Aussage aus 2018: „Ich solle ihm aus den Augen gehen, sonst werde er mich totschlagen.“ Sie sei dann ja ins Schlafzimmer geflüchtet, habe sich eingeschlossen und die Polizei gerufen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten auch Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte vor: Als zwei Polizeibeamten kurz nach Mitternacht am Tatort ankamen, trafen sie zuerst auf M., der mit Shorts und nacktem Oberkörper im Carport steht. „Wir hatten über Funk von häuslicher Gewalt gehört und, dass der Täter 2015 waffenrechtlich aufgefallen war, wegen eines Kleinkalibers“, schildert der 26-jährige Polizeibeamte. Daher sei der Selbstschutz sehr wichtig gewesen: „Wir haben den Beschuldigten aufgefordert, sich auf den Boden zu legen, was er auch sofort getan hat.“

Als er sich dann bäuchlings hingelegt habe, hätten sie ihm die Hände hinter seinem Rücken fixiert. Einer der Beamten kümmerte sich fortan um das Opfer, der andere blieb beim Täter, ein Knie auf seinem Rücken. „Und wie soll er sich nun gegen ihre Anweisungen widersetzt haben?“, fragt Richter Thomsen den zweiten Polizeibeamten. „Er wollte immer wieder aufstehen, drehte sich zur Seite, sodass ich mehr Druck auf seinem Rücken geben musste“, erläutert der 23-jährige Beamte.

Nachdem Verteidiger und Staatsanwaltschaft sich kurz über die von den Polizeibeamten geschilderte Situation ausgetauscht haben, gibt Thomsen dem Polizisten einen Rat: „Also Gewalt gegen Staatsbeamte, da habe ich schon deutlich mehr gedacht als das, was hier in der Akte steht. Es wäre hilfreich, wenn sie da in Zukunft etwas genauer beschreiben, was passiert ist.“

Zwei Stunden nach der Tat konnte M. das Polizeirevier verlassen, R. holte ihn noch in der Nacht ab. „Er hatte sich direkt bei mir entschuldigt“, erzählt sie vor Gericht.

Das Verfahren gegen M. wird gegen eine Auflage von 500 Euro eingestellt. „Wohin soll das Geld gehen“, fragt Thomsen: „Zum Frauenhaus“, antwortet M.

VON ROBIN VOGT

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