Gegründet als Flüchtlings-Kirchengemeinde bringt St. Johannis Menschen im Sternviertel zusammen

60 Jahre geistliche Heimat

+
Ulrich Hillmer zeigt das Taufbuch von St. Johannis mit den ersten Täuflingen von 1958. Die Rolle der Kirche ist heute so wichtig wie vor 60 Jahren, ist sich der Pastor sicher. Sie sei „neutraler Vermittler und versöhnende Mitte“.

Uelzen. Ulrich Hillmer steht im Chor von St. Johannis und blättert durch das Taufbuch. Die allererste Seite stammt von 1958 – dem Jahr, in dem die St. Johannis-Kirchengemeinde gegründet wurde. „Damals gab es im Jahr 120 Taufen“, erzählt er. „Heute sind es in manchen Jahren unter 20.“

Vieles hat sich in sechs Jahrzehnten geändert – in der St. Johannis-Gemeinde wie in der Kirche als Ganzem. Damals wurde St. Johannis gegründet, um den Flüchtlingen eine geistliche Heimat zu geben. „Es waren zwar Deutsche und sie waren auch evangelisch, doch sie waren nicht in der Gemeinde angekommen“, weiß Ulrich Hillmer. Wie überall habe es auch in Uelzen einen Dünkel gegeben, der es diese Menschen spüren ließ, dass sie Flüchtlinge waren. „Es war klug, dass die Landeskirche ihnen die Möglichkeit gegeben hat, eine eigene Gemeinde zu entwickeln.“

Darum sei bis heute die Identifikation der Menschen am Stern mit ihrer Kirche „riesengroß“. Ein Jahr nach der Gründung von St. Johannis begann der Kirchenbau. Es ist keine prunkvolle Kirche wie St. Marien. „Aber die Leute, die hier groß geworden sind, lieben ihre Kirche“, berichtet Hillmer, der mittlerweile seit 18 Jahren in St. Johannis predigt. Die Gemeinde sei schon immer mehr gewesen als „nur“ Kirche: „Wir haben diesen Öffnungsgedanken und übernehmen Verantwortung für die Menschen, die hier leben.“

Um das geistliche und gesellschaftliche Leben im Sternviertel zu fördern, hat die Gemeinde vor zehn Jahren die Stiftung St. Johannis gegründet. Diese finanziert auch den Tanzabend am morgigen Sonnabend, 8. September. Ab 18 Uhr wird im Gemeindesaal der runde Geburtstag kräftig gefeiert – und jeder, egal ob er am Stern wohnt oder nicht – ist eingeladen. Organisiert hat den Abend der Kirchenvorstand – übrigens der jüngste im Kirchenkreis Uelzen.

Der steht vor großen Aufgaben. Denn während es laut Hillmer vor 60 Jahren wichtig war, sich von der „Muttergemeinde“ St. Marien abzunabeln, ist jetzt die Zeit gekommen, in der die einzelnen Kirchengemeinden wieder enger zusammenwachsen müssen. Denn betrachte man die politischen und gesellschaftlichen Unruhen, sei die Kirche heute so wichtig wie 1958: „Die Kirche ist neutraler Vermittler und versöhnende Mitte.“

Von Sandra Hackenberg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare