Irrfahrten auf der Veerßer Straße

Von Bernd SchossadowskiUelzen. Der ältere Herr auf dem Fahrrad ist sich keiner Schuld bewusst. Eben noch ist er erlaubterweise vom Alten Rathaus über die Veerßer Straße geradelt. Nachdem er die Fußgängerzone wieder verlassen hat, setzt er seine Fahrt bis zur Einmündung der Ringstraße fort. Doch das ist verboten, denn dieses Teilstück ist seit kurzem Einbahnstraße, und zwar in entgegengesetzter Fahrtrichtung.Das rot-weiße Schild "Durchfahrt verboten" am Straßenrand hat der Mann nicht gesehen.

Auch über die vielen Autos, die ihm plötzlich entgegenkommen, wundert er sich offenbar nicht. "Wieso, Radfahren ist hier doch erlaubt?", meint der Senior arglos – und irrt dabei gewaltig.Doch er ist kein Einzelfall. Auch zweieinhalb Wochen nach Einrichtung der Fußgängerzone haben viele Radfahrer die neue Verkehrsführung noch nicht verinnerlicht. Gestern waren wieder Dutzende von ihnen in falscher Richtung auf dem etwa hundert Meter langen Einbahnstraßen-Teilstück der Veerßer Straße unterwegs.Doch absteigen und ihr Fahrrad schieben müssen Radler natürlich auch nicht. Sie können ganz legal den kombinierten Fuß- und Radweg nutzen, der hinter dem indischen Restaurant – auf der linken Seite der Veerßer Straße – beginnt und am Herzogenplatz entlang führt. Dort hat die Stadt kürzlich ein entsprechendes Hinweisschild für Radler aufgestellt.Unabhängig davon kann sich Bürgermeister Otto Lukat vorstellen, dass in diesem Teilstück mittelfristig das Fahrradfahren entgegen der Einbahnstraße erlaubt wird. "Das wäre die einfachste Lösung. Wir werden dieses Thema aufgreifen und eine Lösung finden", kündigt er an.Auch Kraftfahrer sehen sich mit einer Neuerung auf der Veerßer Straße konfrontiert: Auf dem Einbahnstraßen-Abschnitt zwischen der Ringstraße und dem Beginn der Fußgängerzone gilt jetzt Schrittgeschwindigkeit. Das blau-weiße Schild "Verkehrsberuhigter Bereich" neben der Touristinformation weist deutlich darauf hin. Die allermeisten Autos fahren dort jedoch weiterhin deutlich schneller als die maximal erlaubten sieben Kilometer pro Stunde."Wir haben diesen Abschnitt auf Vorschlag der Polizei verkehrsberuhigt", erklärt Michael Kopske, Fachbereichsleiter für Planung, Bauaufsicht und Liegenschaften bei der Stadtverwaltung. "Dort gibt es Schrägparkplätze, und bei Schrittgeschwindigkeit wird das Ein- und Ausparken erleichtert."Keine Erklärung hat Kopske indes für die Tat eines Unbekannten, der am Montag einen Metallpoller aus der Fahrbahn der Veerßer Straße gezogen und ein Schild mit den Halteverbotszeiten während der Markttage abgeschraubt hat. "Ich habe beides heute früh in der Telefonzelle am Herzogenplatz gefunden", berichtete Ordnungsamts-Mitarbeiter Peter Czekalla gestern der AZ. Vielleicht hatte da ein Fußgängerzonen-Gegner seinem Unmut über die neue Verkehrsführung Luft gemacht.

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