Gerichte klären zunächst Zuständigkeiten im Fall

Intensivtäter Tekin A. aus Uelzen: Ein Mann – elf Anklagen

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Tekin A. wartet im Gefängnis auf seinen Prozess. Elf Anklagen wurden gegen ihn abgefasst.

Uelzen – Er soll fast täglich Passanten belästigt und frühere Freundinnen terrorisiert, einen Polizisten verletzt und zum Schluss im Januar einem kleinen Mädchen im Rollstuhl Schnaps angeboten haben – über Monate hielt Tekin A. die Uelzener Polizei auf Trab.

Mehr als 70 Straftaten werden ihm zugeschrieben – vor einem Richter stand er dafür bislang nicht. In den letzten Wochen wurden zunächst die Zuständigkeiten der Gerichte geklärt, wie die AZ auf Nachfrage erfuhr.

Wenn eine Strafe von mehr als vier Jahren zu erwarten ist, so wird Angeklagten der Prozess vor dem Landgericht in Lüneburg gemacht. Und angesichts der Fülle von Taten, die Tekin A. begangen haben soll – sie sind in insgesamt elf Anklagen zu finden – stellte sich die Frage, ob ein solches Strafmaß erreicht wird und damit das Lüneburger Gericht zuständig ist. Man sei um Prüfung zur Übernahme des Falls gebeten worden, erklärt Christoph Luedtke, Sprecher des Landgerichts.

Bei der Prüfung kam das Landgericht zu dem Ergebnis, dass aller Voraussicht nach ein solches Strafmaß aber nicht erreicht wird. Auch eine Übernahme wegen einer besonderen Bedeutung sei nicht Betracht gekommen, so der Gerichtssprecher. Demnach werden die Taten in Uelzen am Amtsgericht verhandelt – abschließend zu klären ist noch, ob das Urteil nur von einem Richter oder auch von Schöffen gesprochen wird. Einen Verhandlungstermin gibt es, so die Auskunft zuletzt vom Amtsgericht Uelzen, noch nicht.

Tekin A., der türkischer Staatsbürger ist, aber eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis für Deutschland besitzt, werden unter anderem Hausfriedensbrüche, Stalking, Sachbeschädigungen, Beleidigungen, Körperverletzungen und Widerstand gegen Polizeibeamte vorgeworfen. Um weitere Straftaten zu verhindern, nahm die Polizei ihn im vergangenen Jahr immer wieder in Gewahrsam. Jetzt wartet er im Gefängnis auf den Prozessbeginn. Dort sitzt er aber nicht wegen der ihm vorgeworfenen zahlreichen Taten aus dem letzten Jahr, sondern wegen eines Falls von Steuerhinterziehung. Im Sommer 2018 war er, weil er aus seiner Zeit als Betreiber eines Paketdienstes rund 245 000 Euro nicht gezahlt haben soll, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Da er gegen die Bewährungsauflagen verstieß, erfolgte schließlich im Januar die Verhaftung.

VON NORMAN REUTER

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