Intendant fürs Arboretum

Mensch 2016: Jörg Tilly plant mit Herzblut Kulturveranstaltungen in Melzingen

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Fast ein Jahrzehnt war er Vorsitzender der Christa-von-Winningen-Stiftung, nun kümmert er sich um die Veranstaltungen im Kulturstall des Arboretums: Jörg Tilly.

Uelzen. An manchen Tagen packt Jörg Tilly die Unvernunft. Dann nimmt er seinen kleinen Mittelklassewagen – und fährt auch außer der Reihe mal hin. Nach Melzingen ins Arboretum.

Schon lange kann Tilly vom Arboretum – ein Arbor ist lateinisch ein Baum – nicht mehr lassen. Die Sammlung von Christa von Winning in Melzingen ist ein Kleinod weltweit zusammengetragener Samen, Bäume und Gehölze. Und Tilly, der der gleichnamigen Stiftung seit 2005 erst bis 2014 als Vorsitzender und heute als Organisator der Veranstaltungen im „Kulturstall“ dient, lässt immer wieder seinen Blick schweifen über seine drei Lieblinge: den Mammut-Baum, die Himalaya-Papierbirke und die Amerikanische Butternuss.

„Ich bin kein Botaniker“, sagt Tilly. Aber die Rinde des Mammut-Baums hat es ihm angetan. „Wie Kork, ganz weich ist die“, sagt Tilly und offenbart in ruhigen Sätzen einen Wesenszug. Denn einem Menschenfreund sitzt man im gepflegten Wohnzimmer gegenüber, der seine eigene Karriere im Ehrenamt nicht über die Arbeit anderer stellt.

Mit seinem Engagement hat es Jörg Tilly jedoch in die Endausscheidung von „Mensch 2016“ geschafft, eine Aktion der AZ und ihrer Partner: die Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg und das Volkswagenzentrum Uelzen. Bis Montag, 23. Januar, können die AZ-Leser ihre Stimme für ihren persönlichen Menschen 2016 abgeben – nur mit Originalcoupons aus der AZ. E-Paper- Kunden können aber auch mit einem Ausdruck des Coupons teilnehmen, wenn sie darauf ihre Kunden-Nummer eintragen.

„Ja“, sagt Tilly und lacht, „ich bin qua Amt zu der Arbeit für die Stiftung gekommen.“ Damals, 2005, war Tilly noch Amtsleiter für Kultur und Schule beim Landkreis, als er das Amt des Vorsitzenden übernahm. Er brachte mit, was gebraucht wurde: Erfahrung in der Verwaltung, gute Kontakte und eine künstlerische Ader. Die reklamiert Tilly zwar für seinen Bruder, den Maler Klas Tilly, aber ganz ist die familiäre Tradition nicht an dem heute 72-Jährigen vorbeigegangen.

Ein unruhiger Geist? Ja, das sei er, sagt Tilly – und zupft immer mal wieder seine Hosenbeine zurecht. Für ihn, der die Wildbeobachtung und die preußische Geschichte zu seinen Hobbys zählt, sind geistige wie körperliche Beweglichkeit ein Muss.

Schließlich ist er es, der die Veranstaltungen im Arboretum organisiert: Hier müssen Plakate hängen, da fehlt eine Kabeltrommel, dort muss ein Hotelzimmer organisiert werden – und am Ende geht Tilly („Ich bin dann der Intendant“) auch immer ein bisschen mit. Denn schließlich: Zieht das Programm, das er in den Wintermonaten erdacht und ausgehandelt hat? Bei alledem muss er bedenken, „dass die Stiftung finanziell nicht sehr gut aufgestellt ist. Und wir leben von den Eintrittsgeldern.“

Anfang März wird das Arboretum wieder öffnen. Dann sind die Bäume ehrenamtlich gepflegt, der Kassendienst besetzt und die ersten Termine aus Tillys buntem Programm bekannt geworden. Tilly wird zu „seinen“ Kulturterminen pünktlich da sein. Ehrensache.

Von Christian Holzgreve

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