Grünen-Politiker Heiner Scholing bringt weiteres Unterrichtsmodell ins Spiel

Integrative Gesamtschule für Uelzen?

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Die Befürworter von Gesamtschulen argumentieren: Bei integrativen Unterrichtsformen können leistungsstärkere Schüler schwächeren Jungen und Mädchen helfen, beispielsweise in Mathematik.

Uelzen/Landkreis. Ist die Ankündigung der Uelzener Oberschule, ihre Schüler künftig nach ihrem Leistungsniveau in zwei unterschiedlichen Schulzweigen unterrichten zu wollen (AZ berichtete), der Startschuss für eine grundlegende Diskussion um Schulmodelle im Landkreis Uelzen?

Der Grünen-Politiker Heiner Scholing, seines Zeichens Mitglied des Kreistages und früherer Landtagsabgeordneter, jedenfalls vermisst im Landkreis Uelzen eine Integrative Gesamtschule (IGS): „Aber was nicht ist, kann ja noch werden“, meint er.

In der näheren Umgebung existieren Integrative Gesamtschulen unter anderem in Gifhorn, Lüneburg und Winsen (Luhe), an denen Schüler mit unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten gemeinsam unterrichtet werden. Auch die Uelzener Oberschule, die 2013 aus der Theodor-Heuss-Realschule sowie aus den Hauptschulzweigen der Lucas-Backmeister- und der Sternschule hervorgegangen war, hatte zunächst einen stark integrativen Ansatz. Den Versuch, dabei allen Schülern gerecht zu werden, beschreibt die Schulleiterin Imke Pape als Kraftakt. Denn es fehlten ausreichend Lehrerstellen, um weiterhin Haupt- und Realschüler sowie Kinder mit besonderem Förderbedarf gemeinsam in Jahrgängen zu unterrichten. Künftig werden sie ab der 7. Klasse einem Haupt- und einem Realschulzweig zugeordnet.

Ein solcher Wechsel des Unterrichtsmodells ist in Niedersachsen übrigens keine Ausnahme, wie eine AZ-Anfrage beim Kultusministerium zeigt. Zurzeit gibt es in Niedersachsen 279 Oberschulen. An wie vielen jahrgangs-bezogen und an wie viele schulzweig-bezogen unterrichtet wird, erhebt das Ministerium nicht. Aber aus dem zuständigen Fachreferat heißt es, dass die meisten Oberschulen jahrgangs-bezogen starten und sich im Laufe der Zeit eine gewisse Zahl an Bildungseinrichtungen dafür entscheidet, auf schulzweig-bezogenen Unterricht umzustellen – wie es nun in Uelzen der Fall ist. Ob es wie in der Hansestadt an der Personaldecke liegt, dazu macht das Ministerium keine Angaben.

Heiner Scholing bedauert die Entscheidung der Uelzener Pädagogen. „Die Einteilung nach verschiedenen Schulformen bringt eben nicht nur Gewinner hervor. Zu befürchten ist, dass die Schwachen wieder die Verlierer sind.“ Deshalb biete sich eine Schule für Uelzen an, die sich ganz bewusst für den integrativen Weg entscheide.

Der Vorteil von integrativen Unterrichtsformen wird darin gesehen, dass leistungsstärkere Schüler schwächere unterstützen können. Zudem würden die Sozialkompetenzen der Schüler ausgebaut, argumentieren die Befürworter.

Heiner Scholing kann sich vorstellen, dass eine Oberschule aus dem Landkreis zu einer Integrativen Gesamtschule umgewandelt wird. Das sei aber keine Entscheidung von heute auf morgen, so der Politiker. Wichtig sei es auch, dass die Eltern an dem Aufbau beteiligt werden. Die Politik könne den Prozess begleiten.

Von Norman Reuter

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