Molzen, Riestedt und Masendorf befürchten Belastung

Gewerbeansiedlungen am Elbe-Seitenkanal: Industriegebiet bis ans Dorf ?

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Zurzeit ist auf der östlichen Seite des Kanals gegenüber dem Uelzener Hafen Wald zu finden. Die Bäume würden für eine Industrieansiedlung weichen. Die Molzener befürchten, dass Firmen bis zur Ortsgrenze heranreichen könnten.

Uelzen. Die Pläne, auf der Ostseite des Elbe-Seitenkanals gegenüber dem bestehenden Hafen-Industriegebiet weitere Flächen für Gewerbeansiedlungen auszuweisen, bergen Zündstoff.

Der Grünen-Ratsherr und stellvertretende Ortsbürgermeister von Molzen, Masendorf und Riestedt, Karl-Heinz Schmäschke, sagt: „Das wird noch böses Blut geben. “ Der Grund: Die Einwohner Molzens befürchten, dass mit dem neuen Gewerbegebiet Firmen zu nah an den Ort gebaut werden. Außerdem: Bereits jetzt würden Lkws durch Riestedt, Masendorf und Molzen fahren, um zum Hafen auf der Westseite des Kanals zu gelangen. Mit einem Gewerbegebiet auf der Ostseite werde dieser Verkehr weiter zunehmen, so Schmäschke. An den Bau der A 39, die an Riestedt vorbeiführen soll, will er nicht denken. „Dann sind wir eingekesselt. “.

Von der Stadtpolitik fühlt sich der Grünen-Ratsherr im Stich gelassen, wenn es um die Bedenken der Ortsteilbewohner geht. Bei seiner jüngsten Sitzung hat sich der Rat der Stadt Uelzen mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass die Voraussetzungen für das Gewerbegebiet geschaffen werden. Denn es besteht Bedarf an weiteren Industrie-Flächen.

Die bestehenden Gebiete der Hansestadt sind zu 90 Prozent belegt, erklärt die Verwaltung. Bei den noch freien 34 Hektar handelt es sich nur bei einem Drittel um Industrieflächen.

Laut eines Gutachtens gibt es einen Bedarf von jährlich vier Hektar; mit dem Industriegebiet am Hafen mit 107 Hektar will die Politik Firmen die Chance geben, sich in der Stadt anzusiedeln. Schmäschke betont, weder der Ortsrat noch die Gruppe Grüne/FDP/Piraten im Stadtrat, die bei der Hafen-Frage mit Nein stimmte, wollen einer wirtschaftlichen Entwicklung Uelzens im Weg stehen. Doch die Probleme zeigten sich beim Blick auf die Details.

Das Gewerbegebiet soll abschnittsweise entstehen – mit zunächst am Kanal gelegenen Flächen. Daran störe man sich nicht. Doch als Erweiterung seien in Stufen drei und vier Flächen vorgesehen, die an Molzen heranreichten. Der Ortsrat habe sich im vergangenen Jahr gegen diese Areale als Gewerbegebiet ausgesprochen, so Schmäschke. Dort steht zurzeit noch Wald. „Diesen Wald wollen wir als natürliche Barriere behalten.“

Zudem müsse, so das Votum des Ortsrates, die Verkehrsfrage geklärt werden. Wenngleich das Gebiet am Kanal liege, würden Güter auch per Straße geliefert oder abtransportiert. Schmäschke nennt Zahlen aus einer Befragung von Unternehmen, wonach 95 Prozent Wert auf einen Straßenanschluss legen.

Wie der Anschluss an das Industriegebiet erfolgen soll, wird Thema der weiteren Planungen sein, informiert die Stadtverwaltung auf Anfrage. Es gebe mehrere Optionen; entweder werde ein vorhandener Forstweg genutzt, denkbar sei auch eine Straße parallel zum Elbe-Seitenkanal. Angebunden werden diese Wege an die Kreisstraße 3, die durch Molzen und Masendorf führt. Uelzens Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull sagte im Stadtrat, es würden Gutachten in Auftrag gegeben, die sich mit Zufahrt und Verkehrsaufkommen auseinandersetzten.

Von Norman Reuter

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