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In Uelzen wird eine neue Notrufzentrale aufgebaut

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Von: Norman Reuter

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Den Kräften in der Leitstelle in Uelzen, hier Lars Juncke, hilft die Technik dabei, Einsatzorte zu bestimmen und schnell auch Retter loszuschicken.
Den Kräften in der Leitstelle in Uelzen, hier Lars Juncke, hilft die Technik dabei, Einsatzorte zu bestimmen und schnell auch Retter loszuschicken. © Gsuck, Nele

Bei Bränden und im medizinischen Notfall wählen die Menschen aus Stadt und Landkreis die 112. Ihre Anrufe laufen in der Leitstelle im Uelzener Kreishaus auf. Sie soll noch in diesem Jahr einen neuen Platz bekommen. Das klingt einfacher, als es ist.

Uelzen/Landkreis – Wenn Björn Busenius einen Anruf entgegennimmt, weiß er: Am anderen Ende der Leitung befindet sich ein Mensch in einem Ausnahmezustand. Busenius ist Leiter der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle im Uelzener Kreishaus an der Veerßer Straße. Etwa 60 Notrufe gehen täglich dort ein, vor allem medizinische Notfälle werden gemeldet.

Mit dem Umzug der Kreisverwaltung in das neu gebaute Kreishaus soll auch die Leitstelle ihren Platz an der Eschemannstraße bekommen. Räume im obersten Stockwerk, leicht durch die weißen Lamellen mit aufgedruckten Ortsnamen an der Außenfassade zu erkennen, sind dafür vorgesehen.

Von einem Umzug der Leitstelle in das neue Kreishaus zu sprechen, trifft es nicht wirklich: Im Grunde sei es die Installation einer völlig neuen Leitstelle am neuen Standort, erklärt Kreissprecher Martin Theine gegenüber der AZ.

Wenn es darum geht, Notrufe zu bearbeiten, sind zwei Aspekte entscheidend. Das Team in der Leitstelle sowie die Technik, mit der sichergestellt wird, dass rasch Wehren sowie Rettungsdienst losgeschickt werden.

Im obersten Stockwerk des neuen Kreishauses soll die Leitstelle ihren Platz finden.
Im obersten Stockwerk des neuen Kreishauses soll die Leitstelle ihren Platz finden. © Reuter

Zum Team: Insgesamt 16 Kräfte verrichten ihren Dienst in der Leitstelle. Mindestens zwei sind immer parallel im Einsatz, um Anrufe entgegenzunehmen. Dabei wird nicht nur abgeklärt, wo und in welcher Notlage sich ein Mensch befindet und eine entsprechende Zahl an Rettern losgeschickt. Es werden, wie Busenius schildert, Anrufer auch mitunter angeleitet, Erste Hilfe zu leisten, bis die Retter vor Ort sind. Das reiche bis zu Wiederbelebungsmaßnahmen, so Busenius.

So werden die Kräfte für die Leitstelle aus den Bereichen Rettungsdienst und Feuerwehr rekrutiert, um entsprechende Erfahrungen mitzubringen. „Es kommt aber auch stark auf das Persönliche an“, so Busenius. Die Mitarbeiter müssten entsprechend gefestigt im Leben stehen, einen kühlen Kopf bewahren können, zugleich die Fähigkeit besitzen, auch schon einen Schritt weiter zu denken. „Wo es brennt, muss dem Energieversorger Bescheid gegeben werden, damit das Gas abgestellt wird“, verdeutlicht er an einem Beispiel. Oder bei einem Unfall: Über die Abfrage des Kennzeichens lasse sich klären, um welches Fahrzeug es sich handele und was dabei für die Rettung zu beachten sei.

Dabei hilft den Disponenten in der Leitstelle die Technik. Busenius ist seit 2001 in der Leitstelle tätig, kann noch von Zeiten berichten, in denen Notrufe mit Stift und Papier festgehalten wurden, bis 2003 groß umgebaut, und fortan mit der EDV gearbeitet wurde. Das Orten von Standorten per GPS, im Computersystem hinterlegte Angaben zu Straßen – all das spielt im Leitstellenalltag eine wichtige Rolle.

So braucht es nicht nur Tische und Stühle für die neue Leitstelle, sondern auch die Technik. Telefonleitungen und Funkanbindungen sind bereits nach Auskunft des Landkreises vorbereitet. Aufwendig gestalte sich die Ausschreibung für das, was auch benötigt wird. Die Computer, Server und mehr. Der Kreis erwartet Kosten für den Aufbau der neuen Leitstelle von rund zwei Millionen Euro.

Für Ende des Jahres ist deren Inbetriebnahme geplant. Entscheidend sei, sagt Busenius, dass alles reibungslos funktioniere. So ist vorgesehen, dass die bisherige und die neue Leitstelle zunächst eine Zeit lang parallel laufen werden. Damit und auch über den Leitstellenverbund (Siehe Infokasten) ist nach Angaben des Kreises gewährleistet, dass jeder Notruf angenommen wird. Erst wenn der Echtbetrieb der neuen Leitstelle sich bewährt habe, werde die alte abgeschaltet und zurückgebaut.

Uelzen im Leitstellenverbund

Als die Stürme „Ylenia“ und „Zeynep“ sowie „Antonia“ Ende Februar im Landkreis wüteten, für umgestürzte Bäume und Unfälle – in einem Fall verlor ein Mensch sein Leben – sorgten, wählten Menschen immer wieder die 112. Wie jetzt die Kreisverwaltung gegenüber der AZ erklärt, hat sich nicht nur in dieser Lage Uelzens Aufnahme in den sogenannten Leitstellenverbund bewährt.

Seit Februar 2021 ist die Uelzener Feuerwehr- und Rettungsleitstelle, die ihren Sitz derzeit noch im Kreishaus an der Veerßer Straße hat, fester Teil des Verbunds. Dabei laufen Notrufe nicht nur in Uelzen, sondern auch in den Leitstellen der Nachbarkreise Celle, Lüchow-Dannenberg und Gifhorn auf, um sicherzustellen, dass trotz eines hohen Einsatzaufkommens schnell der Anruf entgegengenommen wird.

Die Leitstelle Uelzen bearbeitet laut Kreisverwaltung täglich wiederum mehrere Einsätze aus den Partnerleitstellen. „Als besonders hilfreich hat sich der Verbundbetrieb bisher insbesondere bei größeren Einsatzlagen erwiesen“, so Kreissprecher Martin Theine. Dazu werden auch die Stürme aus dem Februar dieses Jahres gezählt.

Wird die Notruf-Nummer aus dem Kreis Uelzen heraus gewählt, geht der Anruf in der Leitstelle an der Veerßer Straße ein, wird aber parallel auch in den anderen Verbundleitstellen anzeigt. Konnte der Anruf in Uelzen innerhalb von zehn Sekunden nicht angenommen werden, übernimmt ihn eine andere Leitstelle. Von dort aus können auch hiesige Retter losgeschickt werden.

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