„Druck auf Arztpraxen wächst“

Impfstart bei Medizinern im Kreis Uelzen mit überschaubaren Mengen

Coronavirus - Impfungen in Arztpraxen in Niedersachsen
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In den Arztpraxen werden nun auch Corona-Impfungen vorgenommen. Aber bisher stehen dafür nur Impfdosen in überschaubarem Maß zur Verfügung.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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Corona-Schutzinjektionen werden inzwischen auch in Arztpraxen im Landkreis Uelzen gesetzt. Doch die Impfkampagne dort startete im überschaubaren Maß und es gibt Probleme. 

Uelzen/Landkreis – Inzwischen erhalten Menschen nicht nur im Impfzentrum ihre Corona-Schutzinjektionen, sondern auch in Arztpraxen. Das Impfen dort erfolgte aber bisher aufgrund begrenzter Mengen der Vakzine in einem überschaubaren Maß. Daniel Hagelstein, Sprecher der niedergelassenen Ärzte in Stadt und Kreis, kann für seine Praxis in Oldenstadt berichten: „In der ersten Woche bekam ich 24 Impfdosen, in der zweiten Woche 16.“

Wie der Mediziner schildert, muss er jeweils bis Dienstagmittag eine Bestellung für Impfstoffdosen bei der Apotheke einreichen. Er bekommt dann die Auskunft, wie viele Injektionsdosen er erhält. Aufgrund der bisher geringen zur Verfügung stehenden Mengen sind Mediziner gefordert zu priorisieren. Heißt: Zunächst jene zu impfen, die am gefährdetsten sind und damit zu den höchsten Prioritätsgruppen gehören.

Und hier werde es schon problematisch, sagt Hagelstein. Zwar könne er und sein Team nach Alter und Vorerkrankungen Patienten seiner Praxis heraussuchen, aber er wisse nicht, ob diese nicht schon Injektionen im Impfzentrum erhalten haben. „Also wird telefoniert und abgefragt“, so Hagelstein. Das sei mit Aufwand verbunden.

Und gleichzeitig erreichen den Mediziner Nachfragen von Patienten, ob sie eine Injektion in der Praxis erhalten könnten, wobei angesichts der Impfstoffmengen ein „Ja“ als Antwort nicht selbstverständlich ist.

Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), sagt zur gegenwärtigen Situation: „Der Druck auf Arztpraxen wächst.“ Das Land Niedersachsen habe inzwischen die Personen der Prioritätsgruppe 2 – Menschen über 70 Jahre mit schweren Erkrankungen, besondere Berufsgruppen – angeschrieben und mitgeteilt, dass sie an der Reihe seien, berichtet Haffke. Und es gebe das Phänomen, dass sich die Menschen lieber bei ihrem Hausarzt impfen lassen wollten als in einem Impfzentrum. „Sie sagen: Mein Hausarzt kennt meine Vorgeschichte“, so Haffke. Doch die Zahl der Impfberechtigten und der Impfdosen für Arztpraxen passen nicht zusammen. Im Ergebnis kommt es so auch bei Ärzten teils zu verbalen Entgleisungen von Personen. „Der Ton wird auch da rauer“, sagt Haffke. Zuletzt berichtete die AZ von Beleidigungen und Anfeindungen im Uelzener Impfzentrum.

Was die Zuteilungsmengen für Ärzte betrifft, so berichtet Haffke, dass es sich in dieser Woche schon verbessert habe. „Insgesamt wird es weiter steigen“, sagt der KVN-Sprecher. Damit werden die Probleme aber nicht weniger: Das parallele Impfen in Arztpraxen und in den Impfzentren führt zu einer neuen Entwicklung: „Zunehmend beschweren sich Impfzentren, dass Termine nicht wahrgenommen werden und vorher auch nicht abgesagt wurden“, so Haffke. Die Menschen hätten inzwischen eine Injektion bei ihrem Arzt erhalten.

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