Aus Laken und Kissen

Immer mehr Uelzener setzen sich an die Nähmaschine und helfen: Mundschutz in Heimarbeit

Auch Annika Kriebel (26) macht mit: Die Hobbynäherin gehört zu den vielen freiwilligen Helfern, die zu Hause Mund-Nasen-Schutze für ihre Mitmenschen herstellen.
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Auch Annika Kriebel (26) macht mit: Die Hobbynäherin gehört zu den vielen freiwilligen Helfern, die zu Hause Mund-Nasen-Schutze für ihre Mitmenschen herstellen.

Uelzen/Landkreis – Ein selbst gefertigter Mund-Nasen-Schutz wird laut Robert-Koch-Institut das Ansteckungsrisiko für den Träger nicht „signifikant verringern“.

Aber: Ein solch simpler Schutz kann die Tröpfchen-Infektion durch Husten oder Niesen, die Hauptursache für die Ausbreitung des Coronavirus, verringern und damit zur Eindämmung beitragen.

Da industriell hergestellte Schutzmasken weitgehend vergriffen sind, gibt es auch in Stadt und Kreis Uelzen viele Helfer, die sich an die Nähmaschinen setzen.

Dr. Gerhard Wermes, leitender Amtsarzt des Gesundheitsamts des Landkreises, betont aber: „Ein Mund-Nasen-Schutz ist für kranke Menschen gedacht, weil dadurch die Tröpfchenwolke beim Niesen oder Husten unterbunden wird.“ Dr. Wermes rät gesunden Menschen vom Tragen eines solchen Schutzes ab, weil das zu einer Verknappung der Ressourcen führen könnte: „Es gelten vor allem die Handhygiene sowie der Abstand von 1,5 bis 2 Metern zu anderen Personen.“

Gleichwohl machen sich viele Uelzener derzeit daran, zu nähen, unter anderem eine stetig wachsende Gruppe der Landfrauen Bad Bevensen: „Die Aktion ist sehr gut angelaufen“, sagt Vorsitzende Christine Hyfing. Seit einer Woche nähen die Frauen, jede für sich: „Das wird einfach weitergesagt.“ Verarbeitet wird, was zu kriegen ist, Hauptsache Baumwolle: „Die kann man auch bei hohen Temperaturen waschen.“ Abgelegte Hemden, Laken, Kopfkissen dienen als Material. Verteilt wird je nach Bedarf: „Wir hängen den Mundschutz dann an die Tür.“ In Uelzen hat Urte Stradtmann eine entsprechende Gruppe (ue-naeht-mundschutz@gmail.de) gegründet, der inzwischen 30 Personen angehören: „Es läuft sehr, sehr gut. Viele nähen, andere besorgen Materialien.“

Mit dabei ist auch Jana Hennings aus dem Nordkreis: „90 Masken habe ich bereits genäht, 40 weitere sind schon zugeschnitten.“ Jana Hennings verteilt die Masken im Freundeskreis, hat aber auch schon an den Hospizverein gespendet. Tanja Mainz vom Lebensraum Diakonie berichtet, dass aktuell Mundschutze von Mitarbeitern für die Arbeit in den eigenen Einrichtungen genäht würden. „Wir haben Schnittmuster, Stoffe. Wer gerade Leerlauf hat, näht einen Mundschutz“, so Mainz.

Die Adler-Apotheke in Uelzen verteilt kostenlose Schnittmuster an die Kunden. Apothekerin Ulrike Meinheit erklärt: „Mit einem Mundschutz kann man nicht für sich hundertprozentigen Schutz erreichen, aber man kann dafür sorgen, dass die Geschwindigkeit sinkt, mit der sich das Virus ausbreitet.“ Wichtig sei, dass ein gespendeter Schutz zunächst bei hohen Temperaturen gewaschen werde.

VON MICHAEL MICHALZIK

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