Kleinen Jungen im Badue reanimiert: Ehrenurkunde für Frauke Haberecht

Im Freibad Uelzen: Lebensretterin am Beckenrand

Nach der Übergabe der Urkunde: Frauke Haberecht mit ihrer Tochter Frieda.
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Nach der Übergabe der Urkunde: Frauke Haberecht mit ihrer Tochter Frieda.
  • Norman Reuter
    VonNorman Reuter
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Sie hat gehandelt und nicht gezaudert: Frauke Haberecht hat einem kleinen Jungen das Leben gerettet, als sie mit ihrer Tochter Frieda im Badue zu Besuch war. Für ihren Einsatz ist die 47-jährige Kinderkrankenschwester jetzt ausgezeichnet worden. 

Uelzen – Es ist ein heißer Sommertag. Frauke Haberecht und ihre jüngste Tochter Frieda suchen Abkühlung. Der Besuch des Badue in Uelzen entwickelt sich aber völlig anders als erwartet. Die gelernte Kinderkrankenschwester rettet an diesem Tag im Juni 2020 einem damals dreijährigen Jungen das Leben.

Die 47-Jährige wird dafür gestern nun offiziell im Ratssaal ausgezeichnet. Ihr Engagement sei hoch anzusehen, daran ändere sich auch 13 Monate später nichts, so Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt. Er überreicht an Frauke Haberecht die Ehrenurkunde des Innenministers Boris Pistoris „in Anerkennung eines opferwilligen und tatkräftigen Rettungseinsatzes.“

Frauke Haberecht erinnert sich gestern noch einmal an die Ereignisse: Sie ist schon eine Weile an diesem Tag mit ihrer Tochter im Badue, als sie auf den Dreijährigen aufmerksam wird. Er liegt reglos und ohne zu atmen am Rand des Nichtschwimmer-Beckens. Sie eilt dorthin, beatmet ihn. „Nach vier, fünf Mal hat er wieder selbst begonnen zu atmen“, schildert sie.

Frauke Haberecht sagt: „Ich habe einfach funktioniert in diesem Moment.“ Sie selbst ist Mutter von drei Kindern, ihre Kenntnisse als Kinderkrankenschwester – sie steht schon seit gut 30 Jahren in diesem Beruf – kamen ihr zupass.

Für die Stadtwerke Uelzen, die das Badue betreiben, ist gestern Prokurist Helge Schenk zur Ehrung gekommen. Er spricht von einer „Gänsehaut“, die er bekomme, wenn er von diesen Minuten im Bad höre. Er überreicht Blumen als Dank, sagt auf AZ-Anfrage, dass solche Bade-Unfälle im Badue die absolute Ausnahme seien. Erkenntnisse, wie es zu der Situation im letzten Sommer gekommen war, gibt es nicht. Haberecht betont, auch das Team des Bades habe reagiert und sei vor Ort gewesen. Es habe dafür gesorgt, dass die Rettungskräfte schnellstmöglich vor Ort gewesen seien. Jeder hatte seine Aufgabe, sie übernahm die Erstrettung – und sagt: „Ich hätte in diesem Moment auch keinen anderen rangelassen ans Kind.“

Jürgen Markwardt findet, ihr Handeln sei vorbildhaft und sensibilisiere auch noch einmal dafür, nicht wegzuschauen, wenn etwas passiere, sondern zu helfen. Frauke Haberecht unterstreicht: „Es ist egal, was man tut. Das Schlimmste ist, gar nichts zu machen.“

Das Kind wird ins Uelzener Krankenhaus gebracht, und von dort in eine Spezialklinik nach Hannover verlegt. „Es hat mich schon belastet, die ersten Tage nicht zu wissen, was mit dem kleinen Jungen ist“, sagt gestern Haberecht. Von Hannover aus wird das Kind wieder nach Uelzen verlegt, auf die Station von Frauke Haberecht. Als sie Dienst hat, kommt es zum Wiedersehen: „Es war das Schönste, zu erleben, wie er den Flur auf mich zulief“, so Haberecht.

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