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Uelzen: Mann betrügt Autoverkäufer um 16.500 Euro – „Ihr Leben ist Ihnen entglitten“

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Von: Theresa Brand

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Der Angeklagte ist seit einer Weile in Uelzen in Haft. Im vergangenen Jahr soll er ein Auto gekauft haben, das er nie bezahlen wollte. Einen Führerschein hat er nicht. archivFoto: bieling
Der Angeklagte ist seit einer Weile in Uelzen in Haft. Im vergangenen Jahr soll er ein Auto gekauft haben, das er nie bezahlen wollte. Einen Führerschein hat er nicht. © Bieling

Zwei Justizbeamte führen den Angeklagten in den Gerichtssaal, wo sie ihm auf das Nicken des Pflichtverteidigers hin die Handschellen abnehmen.

Uelzen – Der junge Mann, der seit einiger Zeit in der JVA Uelzen einsitzt, muss sich heute wegen Betrugs und Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor dem Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, zwei Mal ohne Führerschein gefahren zu sein und sich einen Pkw gekauft zu haben, den er nicht bezahlt hat.

Im vergangenen Jahr bietet ein Mann aus Tätendorf-Eppensen über eine Internetplattform einen Pkw zum Verkauf an – der Preis liegt bei 17 .000 Euro. Der Angeklagte macht mit ihm einen Termin aus und kommt zu einer Probefahrt vorbei. Problem: Zu diesem Zeitpunkt hat er keinen gültigen Führerschein. Nach einer kleinen Spritztour bietet er dem Verkäufer an, 500 Euro Anzahlung zu leisten und die restliche Summe später zu überweisen. Dass er dies nie tun wird, ist dem Angeklagten längst klar, wie er reumütig zugibt. Nach wie vor ohne Fahrerlaubnis fährt er anschließend nach Bremen.

„Es tut mir unfassbar leid“, sagt der junge Mann und erklärt, er habe in der Zeit unter starkem Druck gestanden. Er habe Geld für seine Freundin und die beiden Kinder verdienen wollen, dafür ein Auto gebraucht. „Ich wollte nicht als Versager dastehen“, gibt er zu.

Richter Rainer Thomsen nimmt wohlwollend zur Kenntnis, dass der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ablegt, wendet sich dann jedoch den zahlreichen Vorstrafen zu. Deren 17 stehen im Bundeszentralregister: Seit 2011 begeht der Angeklagte immer wieder Diebstähle, Hausfriedensbrüche, Urkundenfälschungen, Körperverletzungen und Betrügereien. Immer wieder wird er auf Bewährung verurteilt – jedes Mal verstößt er mit erneuten Straftaten gegen die Auflagen. „Ihr Leben ist Ihnen entglitten“, konstatiert der Richter mit Blick auf die Einträge. „Immer wieder haben Sie eine Chance gekriegt, musste die Strafe letztendlich doch vollzogen werden.“

Der Angeklagte entschuldigt sich noch einmal für seine Taten, erklärt, dass er dies nun alles hinter sich lassen wolle. Er habe sich schon vor einiger Zeit selbstständig psychologische Hilfe gesucht, war in psychiatrischer Behandlung. „Ich hatte eine schlimme Kindheit, war in insgesamt 16 verschiedenen Pflegefamilien und Kinderheimen“, erzählt er. Damals sei er auf die schiefe Bahn geraten, „doch jetzt will ich keine Straftaten mehr bauen“. Er wolle ein normales Leben.

Richter Thomsen und die Staatsanwaltschaft bestätigen, dass es eine gute Prognose gebe: Der Mann hat eine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht, ist zudem Hundetrainer und möchte nach der Haft mit seiner Partnerin und den beiden Kindern in eine gemeinsame Wohnung ziehen.

Doch bevor es so weit ist, muss er noch eine ganze Weile für seine Taten büßen: Auch wenn sein Verteidiger auf Bewährung plädiert, entscheidet Richter Thomsen, dass der Angeklagte zu den noch offenen Monaten in Haft noch ein Jahr ohne Bewährung hinzubekommt. „Ich glaube, Sie brauchen dieses Signal, denn bisher hat wirklich nichts bei Ihnen gewirkt“, erklärt er.

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