Rat gibt Gelder für Wettbewerb frei / Kritik an Kosten

Ideen für die „Juwelen“

Auch der Hammerstein-Parkplatz, inklusive angrenzender Freiflächen, wird beim Wettbewerb berücksichtigt.
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Auch der Hammerstein-Parkplatz, inklusive angrenzender Freiflächen, wird beim Wettbewerb berücksichtigt.

Uelzen – Es ist nicht das erste Wettbewerbsverfahren, das in Uelzen zur Stadtentwicklung angeschoben werden soll. In den städtischen Archiven findet sich Vergleichbares aus den 70er- und 80er-Jahren, berichtet Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull am Montagabend im Rat.

Seinerzeit habe sich das Verfahren über vier, fünf Jahre erstreckt, erklärt er. So langwierig soll es diesmal nicht zugehen – zumindest wenn es nach dem am Montag von Scheele-Krogull vorgestellten Zeitplan geht.

Ab dem kommenden Frühjahr sollen zunächst Ideen für den Hammerstein-Parkplatz, inklusive der angrenzenden Freiflächen, für die Wiese am Herzogenplatz und für das Kreishaus-Areal gesucht werden – wobei sich das Kreishausgelände nicht in städtischer Hand befindet, sondern Eigentum des Landkreises ist. Noch 2021, so Karsten Scheele-Krogull, soll ein einberufenes Preisgericht die besten Ideen für die exponierten Grundstücke – er spricht von „Juwelen“ – auswählen und im Anschluss die Bebauungspläne für die Areale entsprechend überarbeitet werden. „Ich vermute, dass wir 2022 dann in den Investoren-Wettbewerb gehen können.“

Reaktionen auf Offenen Brief

Noch vor dem ersten Aufruf, dass Büros ihre Ideen einreichen können, soll die Öffentlichkeit einbezogen werden, kündigt Scheele-Krogull an. Das kommt nicht von ungefähr. Im Vorfeld war Kritik von der Ratsfraktion „WIR für Uelzen“ laut geworden, dass die Stadt ein hohes Tempo bei den Beschlüssen zu dem Wettbewerb an den Tag lege.

Susanne Niebuhr von „WIR für Uelzen“ macht sich am Montag im Rat für den Erhalt aller öffentlichen Grünflächen stark. „Das sind Kleinode“, sagt sie. In Bezug auf Umweltfragen hatten sich auch im Vorfeld der Ratssitzung Gruppen, die sich in der Region für den Klimaschutz einsetzen, in einem offenen Brief an Rat und Bürgermeister Jürgen Markwardt zu Wort gemeldet. Darin zeigten sie Unverständnis dafür, das womöglich Wiesen und Grünflächen in Uelzen bebaut werden sollen – mit einem solchen Vorgehen kehre Uelzen dem Umwelt- und Klimaschutz den Rücken zu.

Es ist nicht nur Bürgermeister Jürgen Markwardt, der den Punkt am Montag aufgreift und erklärt, Umweltschutz und Stadtentwicklung könnten Hand in Hand gehen. Auch Ratsmitglieder äußern sich dazu. Stadtentwicklung müsse breit diskutiert werden, sagt Klaus Knust (SPD). Zugespitzt formuliert er: Ob ein Sumpf, ein Wüstengarten oder ein Stadtschloss entstehe, das alles sei offen. Er ist sich zumindest sicher: „Keiner wird auf die Idee kommen, die Ratsteichwiese zu bebauen.“

Karl-Heinz Schmäschke (Grüne) geht auf den Hammerstein-Parkplatz ein. Das sei derzeit eine versiegelte Fläche. Dafür könne ein ökologischeres Konzept entstehen, auch mit alternativen Wohnformen. Es fällt das Stichwort „Tiny Houses“. Wichtig ist ihm: „Wir brauchen Menschen in der Innenstadt“ – und dafür seien Wohnungen zu schaffen, und zwar für alle Einkommensklassen.

Bedenken zu den Kosten

250 000 Euro wird der Wettbewerb kosten, erklärt die Stadt. Finanziert werden soll er mithilfe von Gewerbesteuer-Einnahmen, die für 2020 höher ausgefallen sind als erwartet. Aber angesichts einer ungewissen finanziellen Entwicklung in Bezug auf die Corona-Krise hält es Martin Schneider (FDP) „nicht für angebracht, jetzt so viel Geld rauszuhauen.“ Auch Rainer Koch und Jörg Hacke (beide CDU) haben nach eigenen Angaben Bedenken hinsichtlich der Kosten.

Jürgen Markwardt entgegnet, dass, wenn die Stadt Büros beauftragen würde, für Areale Konzepte zu erarbeiten, man mit einem solchen Betrag wohl nicht auskommen würde. „So ist der Wettbewerb am Ende nicht billig, aber günstig für Uelzen“, so der Bürgermeister. Der Rat gibt letztlich am Montagabend die Gelder frei – bei sieben Nein-Stimmen und drei Enthaltungen.

VON NORMAN REUTER

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