„Ich will Gerechtigkeit“ - heute läuft der Marco-Film

Dieses Bild ging um die Welt: Marco als Gefangener...

Uelzen. „Ich wollte diesen Film machen, damit meine Freunde sehen, wie es war, was mir widerfahren ist.“ 21 Jahre alt ist Marco Weiss aus Uelzen heute, knapp vier Jahre ist es her, das er im türkischen Urlaubsort Antayla wegen angeblichen sexuellen Missbrauchs einer 13-jährigen Britin festgenommen worden war. Neun Monate saß er in Untersuchungshaft, sein Schicksal beschäftigte sogar die Regierungen Deutschlands und der Türkei.

Nach dem Buch jetzt also der Film über Marco Weiss, zu sehen heute um 20.15 Uhr auf Sat1, im Anschluss gibt es noch eine Dokumentation zu dem Fall. Marco wird sich beides ansehen, auch wenn er den Streifen schon kennt – bei der Premiere Montag vor einer Woche in München war er dabei. Der 21-Jährige wird den Film im Kreise seiner Freunde anschauen, „damit sie sehen, dass sie sich nicht umsonst eingesetzt haben für mich“.

Gespielt wird der damals 17-Jährige von Vladimir Burlakov, Veronica Ferres spielt Marcos Mutter Martina Weiss, Herbert Knaup den Vater Ralf Jahns, Luk Pfaff Marcos Bruder Sascha. „Marco W. – 247 Tage im türkischen Gefängnis“ heißt der Streifen.

„Wenn ich den Film sehe, bin ich gleich wieder ziemlich dicht dran an damals“, sagt Marco heute. „Mir kommt es nicht so vor, als wenn das alles schon vier Jahre her ist.“ Die Zeit danach war für ihn schwierig, eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker brach er ab, musste immer wieder in therapeutische Behandlung.

Jetzt macht Marco eine Ausbildung zum Rettungsassistenten, „das ist das Richtige“, sagt er überzeugt. Noch immer wird der junge Mann auf der Straße erkannt, sprechen ihn fremde Menschen auf seine Untersuchungshaft in der Türkei an. „Früher war es schwer, damit umzugehen, aber mittlerweile hat man da seine Mechanismen entwickelt“, schildert er.

...und auf Malta bei Dreharbeiten zum Film mit Marco-Darsteller Vladimir Burlakov und Produzent Michael Souvignier von Zeitsprung-Entertainment. Archivfotos: dpa/Sat1

Es ist ein Fernsehdrama, keine Dokumentation – die folgt erst im Anschluss an den Film. Marco selbst zeigt sich begeistert von dem Streifen: „Er ist sehr nahe an der Realität“, erklärt er. Die Gefängnisszenen seien nicht übertrieben, im Gegenteil: „Wir waren nicht nur 20, wir waren sogar 36 Häftlinge in der Zelle.“ Der Schmutz und die Gewaltexzesse waren unbeschreiblich, dazu kamen Backofentemperaturen im Hochsommer in dem Betonbau mitten in der Altstadt von Antalya.

Die Zeit lässt die Distanz zu den Ereignissen größer werden, „aber vergessen werde ich das nie“, sagt Marco. „Verdrängen kann man es, aber es begleitet mich immer noch“.

Warum dann aber ein Film, der die Erinnerungen wieder hochspült? „Auch dieser Film ist ein Teil der Verarbeitung“, sagt die Mutter Martina Weiss. Und Marco ergänzt, er sehe den Streifen als „einen Schlussstrich“ an, den er irgendwie ziehen wollte.

Der Film soll ein Schlussstrich sein, doch das Ende des Falls Marco Weiss ist er noch längst nicht. Denn die Familie hat gegen das Urteil des Gerichtes von Antalya – knapp zwei Jahre und drei Monate Haft auf Bewährung wegen sexuellen Missbrauchs – Revision vor dem Kassationshof, dem obersten Gericht der Türkei, eingelegt. Eine Entscheidung dort ist aber frühestens in zwei Jahren zu erwarten. „Ich habe damit abgeschlossen, für mich war das Wichtigste die Einstellung des Verfahrens durch die Justiz in Deutschland“, sagt Marcos Vater Ralf Jahns, „für mein Rechtsempfinden ist Marco in Deutschland rehabilitiert worden und das ist das Entscheidende“.

Marco selbst dagegen ist die Entscheidung des obersten türkischen Gerichtes keineswegs egal: „Ich hoffe noch immer auf Gerechtigkeit“, sagt er. Es könne doch nicht sein, „dass ein Urteil bestehen bleibt, das nur gefällt wurde, damit dieses Gericht sein Gesicht wahren kann“.

Von Thomas Mitzlaff

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