„Ich verurteile das zutiefst“

Uelzen. „Ich finde es peinlich, empörend und beschämend und kann mich nur stellvertretend bei unserem Gast entschuldigen.“ Marita Simon-Hallensleben ist auch vier Tage nach der Abi-Vorfreude-Party von Schülern des Herzog-Ernst-Gymnasiums (HEG) in der Stadthalle noch hellauf empört. Die Bienenbütteler Familie hat einen koreanischen Gastschüler aufgenommen, der derzeit mit ihrem Sohn die elfte Jahrgangsstufe des HEG besucht. Der 19-jährige Koreaner konnte vergangenen Freitagabend nicht mit seinen Uelzener Gastgebern und Mitschülern feiern. Denn auch er wurde am Eingang der Stadthalle vom Sicherheitsdienst zurückgewiesen – mit nur drei Worten: „Heute keine Ausländer.“

Während der Veranstalter, der die Fete im Auftrag der HEG-Schüler organisiert hat, am Montag gegenüber der AZ noch von Einzelfällen sprach, melden sich immer mehr Betroffene bei der AZ, die von ähnlichen Erfahrungen berichten und von „Rassismus“ sprechen. Und die bestätigen, dass die Securitys immer wieder die Auskunft gaben, dass Ausländer bei dieser Party der Gymnasiasten unerwünscht seien. „Zum Glück fanden sich etliche deutsche Mitschüler, die aus Protest der Veranstaltung fernblieben“, schildert Simon-Hallensleben. „Nur weil auf vergangenen Partys einige Ausländer Ursache für gewalttätige Ausschreitungen gewesen sein sollen, wird jetzt eine Kollektivstrafe verhängt?“, ist sie fassungslos.

Bürgermeister Otto Lukat erwartet von den Veranstaltern der Party deutliche Worte. „Dass sie sich ernsthaft entschuldigen, ist das Mindeste“, wenn man davon ausgehe, dass es sich um Einzelfälle gehandelt habe, betont das Stadtoberhaupt. „Ich verurteile das zutiefst“, erklärt Erster Stadtrat Jürgen Markwardt, der im Vorstand des Projekts „Diverse City“ aktiv ist. „Diverse City“ versucht, die kulturelle Vielfalt in der Stadt zu unterstützen. Sollte es zu einem systematischen Ausschluss gekommen sein, „wäre das ein Skandal“, bekräftigt Markwardt. Die Stadtspitze verfolgt den Vorfall sehr genau und versucht sich über verschiedenste Beteiligte ein umfassendes Bild zu machen.

Derweil verweist der Veranstalter gegenüber der AZ daraufhin, dass Polizeibeamte den Ablauf der Party verfolgt hätten: „Wenn da etwas nicht in Ordnung gewesen wäre, hätten die Polizisten ja eingreifen können oder sogar müssen.“

Eine Erklärung, die Kripochef Jan-Olaf Albrecht entschieden zurückweist: „Wir sind dort präsent, um die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen zu überwachen und Straftaten zu verhindern.“ Für den ordnungsgemäßen Verlauf der Veranstaltung seien primär der Veranstalter und die von ihm beauftragten Sicherheitskräfte veranwortlich. „Wenn die Security bei der Wegweisung von Gruppen junger Männer, die sie für mögliche Störer hält, dies simplifiziert an dem Begriff Ausländer festmacht, muss sie dies selbst verantworten“, so Albrecht. „Die bei der Veranstaltung anwesende Polizei als Zustimmung für ein derartiges Vorgehen zu werten, muss als Versuch, die Verantwortung zu verschieben, zurückgewiesen werden.“ Die Polizei unterstütze Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in keinem Fall.

Von Thomas Mitzlaff

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