"Ich bitte Sie dringend, überdenken Sie Ihre Position"

Offener Brief an die streikenden Lokführer bei der Metronom-Eisenbahngesellschaft

Als langjähriges Gewerkschaftsmitglied bin ich mir der hohen Bedeutung der Tarifautonomie und des Streikrechts bewusst. Dies vorausgeschickt sehe ich mich im Interesse der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt, die täglich den Metronom auf dem Weg zur und von der Arbeit benutzen müssen und in Sorge für die in Uelzen bei der Metronom-Eisenbahngesellschaft befindlichen Arbeitsplätze veranlasst, an die Streikenden die Frage zu stellen, ob ihr Arbeitskampf in dieser Form noch verhältnismäßig ist.

 Soweit erkennbar, geht es nicht um individuelle Arbeitsbedingungen, um individuelle Forderungen zur Entlohnung oder zum Tarifvertrag; soweit erkennbar, geht es um recht abstrakte Forderungen einer Organisation einer Gewerkschaft. Hier stellt sich die Frage, ob es nach so langer Dauer noch verantwortet werden kann, deswegen die Belange vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer - denn der Streik findet ja gerade dann statt, wenn diese von oder zur Arbeit müssen - zu schädigen, denn diese müssen täglich finanzielle Einbußen hinnehmen für einen Streik, in dem selbst es um finanzielle Forderungen offenbar nicht geht. Letztlich werden aber diejenigen getroffen, die durch ihren Fahrpreis letzten Endes die Grundlage für alle Gehälter schaffen. Noch einmal die Frage, ist das angemessen?

Die positive Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland war - anders als beispielsweise in England - gerade von den Gewerkschaften von dem Bewusstsein getragen, dass Tarifkonflikte nur mit einem Kompromiss beendet werden können. Zu den Spielregeln gehörte und gehört es, gesprächsbereit zu sein. Insoweit ist es für die außenstehende Öffentlichkeit völlig unverständlich, wieso seitens der Gewerkschaft ein Schlichtungsverfahren abgelehnt wird bzw. von Vorbedingungen abhängig gemacht werden, die eine bedingungslose Anerkennung der eigenen Grundforderungen verlangen. Dies kann keine Voraussetzung für Einigungsgespräche sein und ist nach meiner Auffassung auch kein Zeichen von Stärke.

Ich bitte Sie dringend, überdenken Sie noch einmal Ihre Position. Bedenken Sie, dass auch Ihnen nicht am dauerhaften Verlust von in der Vergangenheit durchaus zufriedenen Fahrgästen gelegen sein kann. Ich appelliere an Ihre Gewerkschaft, gehen sie ohne Vorbedingungen in das Schlichtungsgespräch, so wie es in der Bundesrepublik Deutschland bisher und hoffentlich auch in Zukunft guter Brauch war und ist.

Otto Lukat

Bürgermeister der Stadt Uelzen

Im Interesse der Arbeitnehmer in Uelzen

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