Kehrpflicht: Ebstorfer Seniorin kämpft gegen Laubberge

„Ich arbeite hier nur für andere“

Dreimal täglich harkt Ingeborg Thraede das Laub in ihrem Garten und entlang ihres Grundstücks zusammen – das Laub von Bäumen, die nicht ihr gehören. Foto: Ph. Schulze

Ebstorf. Den Rücken gebeugt, mit einem langen Arm den Besen in der Hand – mehrmals am Tag nimmt Ingeborg Thraede genau diese Haltung ein. Denn 700 Quadratmeter samt Gehweg entlang der Grundstücksgrenze an der Allmelingstraße wollen vom Laub befreit werden.

Genauer gesagt, von den herabfallenden Blättern mehrerer Eichen, Linden und Ahornbäume – die nicht auf dem Grundstück der 82-jährigen Witwe, sondern von Nachbarn und Gemeindeeigentum herüberfallen. „Da kann man jeden Tag dreimal fegen. Die Blätter der Linden kann man ja im Kompost entsorgen, aber die der anderen ja nicht, wegen der Säure“, erklärt die Ebstorferin. „Ich arbeite hier ständig für andere. Meine Dachrinne war schon vollkommen verstopft von den Blättern und Eicheln. “ In ihrer Garage stapeln sich bereits die blauen Säcke – in die grüne Tonne passt der pflanzliche Abfall lange nicht mehr. Sonnabend werden die blauen Säcke voller Kompost von einer Gärtnerei abgeholt – natürlich kostenpflichtig. „Das ist aber immer noch günstiger, als einen Container zu bestellen. Das habe ich ja auch schon gemacht“, berichtet die Seniorin.

Laut Reinigungsverordnung der Samtgemeinde ist Ingeborg Thraede verflichtet, sich um die Entsorgung zu kümmern – unabhängig davon, wem die Bäume, die den pflanzlichen Abfall verursachen, gehören.

Ein Problem, das Ebstorfs Bürgermeister Uwe Beecken nicht unbekannt ist. „Wir haben an der Straße Ahorn, die lauben da furchtbar“, bestätigt er. „Aber wir können da leider nichts machen. Das kostet alles sehr viel Geld.“

So muss Ingeborg Thraede weiter selber anpacken: „Momentan geht es ja noch, weil es trocken ist. Wenn das Laub erst einmal feucht geworden ist, wird es sehr schwer“, berichtet die Seniorin. Und nicht nur die Entsorgung wird dann erschwert, nasses Laub kann schnell zur rutschigen Falle werden – für Autos, Radfahrer wie Fußgänger.

Von Wiebke Brütt

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