ICE-Züge im Zwei-Stunden-Takt

Fünf Stunden braucht der ICE von München nach Uelzen – vom 1. Mai bis Ende Oktober halten die Hochgeschwindigkeitszüge regelmäßig im Hundertwasserbahnhof. Foto: Ph. Schulze

Uelzen. Für Uelzener Bahnreisende sind es keine leichten Wochen. Die Lokführergewerkschaft GDL droht mit unbefristeten Warnstreiks auch beim Metronom, Mittwoch gab es dazu Verspätungen von bis zu 90 Minuten und Zugausfälle wegen eines „Personenunfalls“ bei Hamburg-Harburg, der Auswirkungen auf das Streckennetz bis nach Hannover hatte.

Und ab kommendem Sonntag gibt es für ein halbes Jahr einschneidende Veränderungen bei den Fahrzeiten der meisten Züge: Die umfangreichen Bauarbeiten für den Bau eines dritten Gleises zwischen Lüneburg und Stelle gehen in die heiße Phase. Deswegen werden zahlreiche Fernzüge von Uelzen nach Hamburg und Hannover komplett gestrichen, stattdessen halten ICE-Züge im Zwei-Stunden-Takt im Hundertwasserbahnhof. Auch die Metronom-Züge fahren zum Teil nach einem Sonderfahrplan.

Das dritte Gleis zwischen Stelle und Lüneburg ist eines der großen Bauprojekte der Deutschen Bahn. Da sich die Planer entschlossen haben, statt einer Vollsperrung im laufenden Zugbetrieb zu bauen, dauert die im Jahr 2009 begonnene Maßnahme entsprechend lange – schon vergangenen Sommer war für sechs Monate ein Gleis gesperrt worden. Diese „Prozedur“ wiederholt sich in diesem Jahr. Bis auf wenige Intercity-Züge in den Morgen- und Abendstunden sind diese Schnellzüge zwischen Hamburg und Hannover gestrichen. Und von den zwei ICE-Linien, die hier eigentlich verkehren, wird die Route Hamburg-Stuttgart über Rotenburg/Wümme umgeleitet, die ICE-Linie Hamburg-München fährt weiter über Lüneburg und Uelzen und hält alle zwei Stunden in der Uhlenköperstadt. Für Fahrgäste aus Uelzen verkürzt sich die Reisezeit in Richtung Süden dadurch um rund eine halbe Stunde, das Umsteigen in Hannover entfällt. Pendler mit IC-Zeitkarten können die ICE-Züge ohne Aufschlag benutzen – doch nicht jedem nützt das: So ist der einzige Nachmittags-Intercity aus der Landeshauptstadt nach Bad Bevensen (Abfahrt Hannover 15.59 Uhr) ebenfalls gestrichen, Berufstätige müssen somit in Uelzen in den Metronom umsteigen.

Nicht betroffen von den Bauarbeiten ist Uelzens einzige Direktverbindung von und nach Berlin: Der Eurocity Wawel fährt planmäßig morgens um 7.56 Uhr in anderthalb Stunden in die Bundeshauptstadt und erreicht Uelzen abends um 19.38 Uhr. Er fährt dann allerdings nicht mehr weiter bis nach Hamburg, sondern endet in Lüneburg.

Der Bau des dritten Gleises gilt als wichtigstes Verkehrsprojekt der Bahn in der Region. Rund 280 Millionen Euro kostet die 35 Kilometer lange Strecke. Die Bauzeit beträgt insgesamt fünf Jahre. Mit der Erweiterung der Strecke soll dem wachsenden Güterverkehr zum und vom Hamburger Hafen Rechnung getragen werden. Außerdem hat das Pendleraufkommen nach Hamburg in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Verbunden mit dem Gleisbau ist auch die Errichtung zusätzlicher Lärmschutzwände.

Sämtliche Fahrplanänderungen sind in der elektronischen Fahrplanauskunft der Bahn unter www.bahn.de bereits berücksichtigt.

Von Thomas Mitzlaff

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