Uelzener Frauenhaus fordert eine Erhöhung der Zuschüsse

Die Hungermonate stehen bevor

Rund 60 Frauen und 60 Kinder wohnen jährlich im Uelzener Frauenhaus. Die Leiterin Monne Kühn (links) kritisiert, dass seit mehr als zehn Jahren die Zuschüsse nicht erhöht wurden. Foto: Baatani

Uelzen. Die Frauenhäuser in Niedersachsen werden ab 2012 voraussichtlich finanziell besser unterstützt. Derzeit wird in verschiedenen Gremien in Hannover an einer neuen Richtlinie gearbeitet.

Die Mittel für Schutzmaßnahmen für von Gewalt betroffene Frauen sollen nach dem Willen der CDU-Landtagsfraktion ab 2012 um 1,36 Millionen Euro angehoben werden. Dann wären es 5,23 Millionen Euro landesweit.

„Es ist noch nicht ganz klar, wie sehr wir die Erhöhung der Mittel vom Land spüren werden“, sagt Monne Kühn, Leiterin des Uelzener Frauenhauses. Innerhalb der vergangenen zwölf Jahre seien die Zuschüsse von Stadt und Land kaum erhöht worden, die Gelder vom Landkreis seit fast 20 Jahren nicht. Wenn ab 2012 der Anteil für den Verein steigt, möchte Kühn den Betrag dazu nutzen, die Stundenzahlen im vierköpfigen Team aufzustocken, um mehr Öffentlichkeitsarbeit zu leisten und etwa Vorträge zu veranstalten. „Die Vernetzung vor Ort ist ganz wichtig“, erklärt die Sozialpädagogin, mit Kliniken, Ärzten, Anwälten und Behörden.

Seit Einführung des Gewaltschutzgesetzes vor zehn Jahren sei der Beratungsbedarf enorm gestiegen. „Das war so eine Wende in unserer Arbeit“, berichtet Kühn. Das Thema sei enttabuisiert und seitdem würden sich mehr Frauen melden.

Ins Uelzener Frauenhaus kommen jährlich etwa 60 Frauen und 60 Kinder, die meisten aus dem Landkreis Uelzen. Etwa zehn der Frauen sind aus anderen Landkreisen. Alle Bewohnerinnen haben Gewalt erfahren, körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt. „Es kommen auch Frauen, die von Zwangsverheiratung bedroht sind, und Zwangsprostituierte.“ Und Frauen, deren Kind vielleicht missbraucht wurde.

Zeitgleich können maximal zehn Erwachsene dort wohnen – manche bleiben nur wenige Nächte und kehren dann nach Hause zurück, andere bleiben über ein Jahr. „Wir haben zum Teil vier Erwachsenen-Betten in einem Zimmer, und dazu noch zwei Kinder-Betten. Das sind eigentlich Situationen, die heute nicht mehr zu vertreten sind.“ Auch deshalb hofft Kühn auf eine Erhöhung der Finanzmittel. Wenn bis Ende 2011 darüber entschieden wird, könne das Frauenhaus etwa im April mit dem Geld vom Land rechnen. Die Zuschüsse von Stadt und Landkreis kommen meistens erst im Sommer. „Januar, Februar und März sind bei uns Hungermonate, da müssen wir Kredite aufnehmen.“

Von Diane Baatani

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