Von Woche zu Woche

Hundehass ohne Sinn und Verstand

Die Nachrichten um mögliche Giftköder bei Stadthalle und Stadtwald sorgten für großes Interesse und Empörung in der vergangenen Woche. Ein Hund ist bereits gestorben, und es ist etwas makaber, dass diese Meldung auf ähnlich hohes Interesse gestoßen ist wie ein tödlicher Autounfall.

Kai Hasse

Die Feststellung, dass ein Hund letztlich „nur“ ein Tier ist, drängt sich da auf. Aber wenn es Vermutungen über Giftköder gibt, gehen die Emotionen hoch: Der Mensch sorgt sich um sein Tier, gerade bei Hunden. Der Grund dafür liegt in der großen Nähe, die Menschen zu Hunden haben. Hunde sind aufmerksame Gefährten, vollkommen ohne Argwohn und treu bis in den Tod. Sie sind ideale Haustiere. Aber sie sind eben Tiere – und nicht, wie viele Hundebesitzer es einem gern verkaufen wollen: die besseren Menschen.

Hunde werden von vielen Menschen anders angeschaut als andere Tiere. Wir bewundern die archaische Eleganz von Katzen oder die Kraft und Ausdauer von Pferden. Der Hund kommt da im Vergleich richtig bieder daher: Er ist weder besonders stark noch schön, er will kuscheln, fressen, rumtollen und zur Gruppe gehören. Man neigt dazu, ihn an menschlichen Maßstäben zu messen – was falsch ist.

Unter anderem kann ein Hund zwei wichtige Dinge nicht: Er kann sein Verhalten nicht nach menschlichen Moralvorstellungen einschätzen. Wird ihm gezeigt, dass Beißen richtig ist, beißt er. Schuld hat dann der Halter. Außerdem kann er keine menschliche Toilette benutzen: Hunde machen Haufen im Grünen.

Wer nicht in Hundehaufen treten will, geht nicht im Gebüsch oder Unterholz spazieren. Und wer unbedingt im Unterholz spazieren will, sollte sich darauf einstellen, dreckige Füße zu bekommen. Das ist nun wirklich keine Neuigkeit, die man noch diskutieren müsste. Wer dann im Stadtwald Gift auslegt, vergisst obendrein vollkommen, dass es dort noch andere Tiere gibt, die daran jämmerlich verrecken, oder dass Kinder im Wald spielen.

Nichts ist bewiesen, und wer ohne Hund im Stadtwald unterwegs ist, sollte nicht unter Generalverdacht stehen. Falls aber wirklich jemand Giftköder auslegt, wäre es Zeit, dass dieser Mensch sich mal einen Hund zulegt. So würde er Verantwortung lernen und das Mitdenken für andere. Denn daran hapert’s offenbar.

Von Kais Hasse

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