Zur Verleihung der Goldenen Leinwand kommt der Komiker ins Central Theater / Fans begeistert

Holladahiti! – Otto blödelt in Uelzen

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Otto trägt sich ins Goldene Buch der Stadt ein. Anschließend tanzt er Sirtaki mit dem Bürgermeister.

Uelzen. Als die kleine Pressekompanie, die am vergangenen Donnerstagabend noch einige Worte mit Otto Waalkes wechseln wollte, in den dafür freien Kinosaal kam, saß der quirlige Knubbelkerl schon am Buffet und schob sich etwas Matjes hinter die Kiemen.

Klein sieht er aus, unscheinbar, mit dem offenen Hemd, dem Bäuchlein und der Schirmmütze das wandelnde Klischee eines Brummifahrers. Um ihn ist Trubel, die Presse will Bilder, die wichtig umherlaufenden Mitglieder des Teams von „Filmecho Filmwoche“ und dem HDF-Kinoverband schlagen ein Bild von unten her vor. Das Brummifahrer-Klischee steht auf und sagt mit tiefer Stimme: „Nein, nicht von unten fotografieren. Das geht mal gar nicht.“ Man stellt fest: Herr Waalkes hat eine tiefe Stimme und nicht das dusselige Gefistel, das man von Otto kennt. Und: Hörr Waalkes ist eitel, denn er weiß, ganz Presseprofi, dass man auf Bildern von unten tendenziell blöder aussieht als bei Bildern von oben.

Dann gibt er Interviews, steigt für das örtliche Radio in die Rolle des Sid, parliert freundlich, aber knapp, lässt sich mit Presseleuten, die Fan sind, ablichten. Er erwähnt nebenbei, dass es zu Weihnachten 2013 einen neuen Otto-Film geben werde. Von Uelzen hat er nicht viel gesehen, wann er wieder abreist, weiß er nicht – „kommt auf das Nachtleben an“, sagt er. Dass da nicht viel los ist, ist ihm egal. „Dann machen wir eben was los“. Kurzes Lachen, Knuff in die Seite.

Bei der Verleihung der Goldenen Leinwand mit Stern, für die der sechs Millionste Besucher in Uelzen in die Vorstellung gegangen ist, dreht der Entertainer volle Kanne auf. „Holladahitii!“ schreit er, als er auf die Bühne im voll besetzten Saal 1 kommt. Das Publikum schreit mit. Gabi in der ersten Reihe hat Geburtstag, er singt ihr ein Ständchen. Otto Lukat kommt mit dem Goldenen Buch der Stadt, und der Komiker freut sich darüber, dass der Mann auch Otto heißt. „Toll hier kommt sogar der Bürgermeister“, sagt Otto, und Lukat erwähnt, wie stolz er ist auf das Kino und die Betreiberin, Renate Böhm. Dass in Uelzen die Goldene Leinwand mit Stern verliehen werde, „das zeigt, dass Uelzen eine Kinostadt ist“, sagt Lukat. Das kann er grad noch so sagen, denn Waalkes wuselt wieder heran, trägt sich mit großem Hallo in das Goldene Buch ein, quasselt unentwegt Stuss zum Gejohle der Fans und tanzt dann mit Lukat einen bizarren Sirtaki auf der Bühne.

Später singt er einfach so, weil gerade eine Redepause ist, einen Song über Opa, der beim Heimwerkermarkt war, um sich kurz darauf den Nagel in die Hand zu rammen. Nach der Melodie eines Werbeliedes eines großen Heimwerkermarktes singt der Komiker „So viel Scheiß macht Opi!“. Das Publikum geht mit, und selbst Skeptiker des Blödsinns müssen irgendwann hilflos kichern.

Ralf Bögner, Chefredakteur der „Filmecho Filmwoche“, die die Goldene Leinwand zusammen mit dem Hauptverband Deutscher Filmtheater verleiht, Dr. Andreas Kramer vom HDF und Vincent de la Tour von 20th Century Fox Deutschland versuchen, zusammenhängende Sätze zu sagen. Unterbrochen werden sie von Otto, der ständig ihre Worte wiederholt wie ein Echo. „Echo – Echo – Echo“, flötet Otto gut gelaunt ins Mikro, was de la Tour gehörig auf den Keks geht – und er kontert: „Schnauze! – Schnauze...!“ Otto hält also die Schnauze.

Ein Satz von de la Tour sitzt aber: Mit großer Geste zu der abseits stehenden und lächelnden Renate Böhm sagt er: „Wir haben hier eine der besten Theatervorführerinnen in Deutschland!“

Von Kai Hasse

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