Bauwerk über Gleise: Vollsperrung wieder aufgehoben / Weitere Problemfälle

Holdenstedts Brücken-Dilemma

Die Botschaft ist unmissverständlich: Die Brücke darf nicht mehr betreten werden. Ein Bild, das sich einem so am Montagabend zeigte. Gestern gab es in Teilen eine Kehrtwende.
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Die Botschaft ist unmissverständlich: Die Brücke darf nicht mehr betreten werden. Ein Bild, das sich einem so am Montagabend zeigte. Gestern gab es in Teilen eine Kehrtwende.

Uelzen – Sicher ist sicher: Niemand soll die Absperrbaken einfach wegschieben können. So sind sie mit Draht ans Geländer der städtischen Bahnbrücke zwischen Holdenstedt und Klein Süstedt gebunden worden.

Am Montagnachmittag teilt die Stadt dann auch in einer Presse-Erklärung mit: Das Bauwerk ist ab sofort gesperrt und zwar für jegliche Nutzung. Sie sei zu marode. Gestern dann in Teilen eine Kehrtwende: Zwar dürfen keine Fahrzeuge mehr die Brücke überqueren, aber Fußgänger und Radfahrer dürfen sie auch weiterhin nutzen.

Die Nachricht dürfte bei Walter Hilmer aus Holdenstedt Erleichterung auslösen. Er betreut den Lauftreff des SV Holdenstedt, dessen Mitglieder zweimal die Woche eine Runde drehen und dabei auch die Bahnbrücke nutzen. Im Gespräch mit der AZ, noch im Glauben, dass die Bahnbrücke nicht mehr von der Gruppe zu nutzen ist, zeigte sich Hilmer „sehr enttäuscht“. Schließlich müsse man sich eine neue Strecke suchen – dieser Kelch geht an den Sportlern nun noch einmal vorbei.

Die Stadt erklärt ihren Kurswechsel so: Eine Prüfung habe ergeben, dass die Brücke aufgrund ihres maroden Zustands sofort zu sperren sei. Eine jetzt vorliegende Konkretisierung des Prüfers stelle aber klar, dass Radfahrer und Fußgänger weiter die Brücke passieren dürften. Der Bahnverkehr könnte ungeachtet weiterrollen.

Bleibt aber der motorisierte Verkehr, der nun nicht mehr erlaubt ist. Bereits im vergangenen Sommer war eine Beschränkung auf 3,5 Tonnen erlassen worden. Wie Ortsbürgermeister Erwin Reitenbach erklärt, ist besonders die Landwirtschaft betroffen, die die Brücke nicht mehr nutzen kann. „Das ist primär eine landwirtschaftliche Schädigung“, so Erwin Reitenbach. Die Landwirte müssten mit ihren Fahrzeugen nun längere Wege zurücklegen.

Und er ist besorgt, dass ein nötiger Neubau der Brücke der Corona-Pandemie und ihren finanziellen Auswirkungen zum Opfer fallen könnte. Die Kommunen rechnen mit Steuereinbußen, die Löcher in die Haushalte reißen. Und Reitenbach gibt zu bedenken, dass das Bauwerk zwischen Holdenstedt und Klein Süstedt nicht die einzige Brücke sei, bei der es einen Sanierungsbedarf gebe und für die Geschwindigkeits- oder Abstandsregeln gelten.

Die Stadt bestätigt das: Die beiden Brücken in der Ortsdurchfahrt von Holdenstedt sind abstands- und gewichtsbeschränkt. Sie werden von der Stadt unterhalten. Und auch für die Bahnbrücke in Klein Süstedt gebe es eine Geschwindigkeitsbeschränkung. VON NORMAN REUTER

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