Stadt räumt ein: Drittes Gebäude könnte entstehen / Ratsfrau befürchtet „Zerstörung“ des Ensembles

Schloss-Pläne sorgen für Unmut

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Das Schloss dient derzeit als Kulturstätte mit dem Heimatmuseum und Veranstaltungen wie den Schlosswochen. Das neue Konzept sieht auch eine kulturelle Nutzung vor, so die Stadt.

Uelzen-Holdenstedt. Das Gras und die großen Bäume im Park sowie die Stufen, die zum Eingang des Schlosses Holdenstedt führen, sind mit Frost überzogen – der historische Bau und seine Außenlagen gleichen in diesen Tagen einer eisigen Märchenlandschaft.

Indes spüren Uelzener Kommunalpolitiker vor Wut eine aufsteigende Hitze, wenn sie an die Zukunft des Schlosses denken. Nachdem bereits Susanne Niebuhr für die Fraktion „WIR in Uelzen“ im Rat erklärte, sie lehne eine Bebauung des Schloss-Areals ab, meldet sich nun auch Ratsfrau Judith Libuda von der Fraktion Grüne/FDP/Piraten zu Wort und stößt ins gleiche Horn: Neubauten würden das Schloss Holdenstedt und seine Anlagen als Kulturdenkmal „zerstören“, glaubt sie.

Wie berichtet, hatte sich am Montag der 13 Mitglieder zählende Verwaltungsausschuss in nicht öffentlicher Sitzung mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass das Schloss an ein Hamburger Unternehmen aus der Gesundheits- und Pflegebranche verkauft werden soll. Es plant auf dem Schlossareal Wohnangebote für Senioren zu schaffen. Dafür sollen Gebäude entstehen, und zwar mehr als von der Stadt bisher kommuniziert wurden, beklagt Libuda. In einer Presse-Erklärung und auch während eines Pressegespräches am Dienstag war von zwei geplanten Gebäuden die Rede. Damit konfrontiert, dass mehr Neubauten vorgesehen sein sollen, erklärt die Stadt nun: Es könnte auch ein drittes Gebäude entstehen.

Konkrete Planungen gebe es zunächst für zwei Gebäude, in denen altersgerechte Wohnangebote geschaffen werden sollen. Zu einem späteren Zeitpunkt könnte dann laut Konzept mit einem dritten Gebäude eine vollstationäre Pflegeeinrichtung entstehen, „wenn der Bedarf an pflegerischen und betreuenden Leistungen weiter ansteigen sollte.“

Die Stadt habe ihrerseits vorab auch drei Baufelder ausgewiesen – in einem sogenannten Bauvorbescheid. Geht es nach Libuda, sollte die Stadt Mut beweisen und den Bauvorbescheid veröffentlichen – so könnte „sich die Öffentlichkeit selbst eine Meinung darüber bilden, wie weit die Neubauten das Kulturdenkmal in seiner Gesamtheit betreffen“.

Die Ratsfrau hat auch deshalb ihre Schwierigkeiten mit einem Verkauf an das Hamburger Unternehmen, weil bei der Projektvorstellung des Bieters das eigentliche Schloss keinerlei Rolle gespielt habe.

Und: „Wie viel Interesse ein Gewerbetreibender, der günstig Bauland sucht, an der Erhaltung eines Kulturdenkmals hat, die er privat finanzieren müsste, darüber kann jeder selbst spekulieren.“ Die Stadtverwaltung widerspricht, was das Schloss selbst angeht: Es soll Kulturstätte bleiben.

Und: „Das Konzept sieht vor, die derzeitige Nutzung zu erweitern, beispielsweise um Ausstellungen und Hochzeiten, damit einhergehend die Reaktivierung gastronomischer Aktivitäten.“

Von Norman Reuter

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- AZ-Chefredakteur Thomas Mitzlaff kommentiert.

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