Von Woche zu Woche

Wo ist die Solidarität der Geretteten?

Die Bilder der Jahrhundertflut schockieren. Wer bekommt keinen Kloß im Hals, sieht er Menschen, die durch die Wassermassen in nichts weniger bedroht sind als in ihrer Existenz? Über allem liegt aber die Rührung, offenbart sich das Ausmaß der Hilfsbereitschaft.

Michael Koch

Nein, nicht die finanziellen Soforthilfen der Bundesregierung oder hochrangige Politiker, wie sie Überschwemmungsgebiete medienwirksam in Augenschein nehmen. Vielmehr sind es Nachrichten über Bürger, die auf eigene Kosten 150 Bratwürste und einen Grill kaufen, um Helfer in den Krisengebieten mit Essen zu versorgen. Es sind Bilder der Einsatzkräfte, die bis zur Erschöpfung gegen das Wasser kämpfen. Es sind Bilder von Jungen und Mädchen aus Kindergärten, die mit noch so kleinen Sandschaufeln ihren Beitrag gegen die Flut leisten. Bilder von Alten und Jungen, Männern und Frauen, Vereinen und Gruppen, schlicht: von Menschen, die ohne Erwartung irgendeiner Gegenleistung helfen.

Wirklich schön! Schön, dass diese furchtbare Not solche Blüten tragen kann. Kein Gemecker, kein Gezeter, kein böses Wort. Und: kein lautstarkes Einfordern, kein darauf Bestehen, keine Ellenbogen. Ein ganzes Land hilft sich selbst. Kein Platz für Egoisten, kein Platz für Gewinnsucht.

Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, beweisen aktuelle Krisen. Staaten und Banken in ganz Europa wurden mit Milliarden und Abermilliarden Euro überschwemmt, so wie Landstriche Deutschlands jetzt mit dem trüben Wasser. Das war in weiten Teilen wohl wichtig und auch richtig. Aber wo bleiben jetzt die Hilfsleistungen für die Flutopfer? Wurden doch andere mit Milliarden vor dem Untergang bewahrt. Wo ist die Solidarität der Geretteten?

Gefordert wurde und wird viel, und das von vielen. Gemecker, Gezeter, böse Worte. Lautstarkes Einfordern, wenn nötig auch mit Ellenbogen. So kann die Reaktion in einer Krise aussehen. Oder aber so wie aktuell bei uns – direkt vor der Haustür.

Rubriklistenbild: © Philipp Schulze / phs-foto.de

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