Die Hitze einfach wegpusten?

Von Sven Kamin - „Brennend heißer Wüstensand“ – das Hauptutensil aus dem gleichnamigen Freddy-Quinn-Schlager findet man derzeit eben nicht nur in der Sahara, sondern auch in Uelzen. Jeden Tag steigt das Thermometer locker über die 30-Grad-Marke und AZ-Wettermann Zaki sagt den heißesten Juli aller Zeiten voraus. Die Hitze hat uns fest im Griff.

Die Kameraden der Feuerwehren sind entweder im Einsatz, um Böschungs- oder Waldbrände zu löschen, oder sie schauen nervös auf ihren Meldeempfänger, wo die nächsten ausgetrocktneten Pflanzen Feuer fangen. Und alle, die wieder aus dem Urlaub zu Hause eintrudeln, müssen feststellen, dass es nirgends so heiß ist wie daheim.

Wir Zuhausgebliebenen stellen fest, dass wir an einen solchen Turbo-Sommer nicht gewöhnt sind. Wir alle nicht. Die ersten Bäume werden im Affekt schon gelb und werfen ihre Blätter ab. Diagnose: Hitzestress. Und wir Menschen? Wir haben Glück, wir sind mobil. Wir flüchten uns in die Eiscafés der neuen Fußgängerzone, die Freibäder oder den Schatten. Oder wir gehören zu der derzeit glücklichen Sorte, die einer Klimaanlage habhaft werden konnten. Im Büro im Auto und zu Hause – überall sorgen die Wunderdinger für Erfrischung.

Nur im ICE haut das bisweilen nicht ganz so hin. Einfach dumm, dass niemand damit rechnen konnte, dass auch wir in Deutschland immer öfter konstante Außentemperaturen über 32 Grad haben, dem Wert, bei dem die ICE-Klima-anlagen den Geist aufgeben. Und dumm auch, dass so eine Klimaanlage nur einen räumlich sehr begrenzten Effekt hat. Denn nicht nur in Deutschland, auch in denUSA werden in diesem Jahr wieder Höchsttemperaturen gemessen.

Weltweit schrauben sich die Temperaturen durch die Folgen des Klimawandels immer weiter in die Höhe und keiner weiß, wo diese Entwicklung enden soll. Mit Klimaanlagen dagegen anpusten? Zwecklos und eher kontraproduktiv. Denn die Hitzekiller verbrauchen jede Menge Energie. Energie, die bei ihrer Erzeugung den Klimawandel weiter beschleunigt. Energie, die auch aus dem Öl gewonnen werden sollte, das nun den Golf von Mexiko verseucht. Manchmal ist Schwitzen vielleicht doch die bessere Lösung.sven.kamin@cbeckers.de

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