Mitglieder des Niedersächsischen Sportschützenverbandes beschließen Beitragserhöhung in der Stadthalle / Sorge um Mitgliederschwund

Historische Beschlüsse in Uelzen

Volle Halle: Insgesamt 316 stimmberechtigte Mitglieder trafen sich am Wochenende in der Stadthalle in Uelzen, die übrigens bis Mitte der 80er Jahre noch das Schützenhaus war. Fotos: Wendlandt, Ph. Schulze (4), Huchthausen (3), Nolting (4)

Uelzen. Über 300 Schützen verbrachten das Wochenende in Uelzen – doch nicht ein einziges Mal wurde in dieser Zeit geschossen. Kein Wunder, hatte der Niedersächsische Sportschützenverband doch zum 55. Landesschützentreffen in die Uhlenköperstadt eingeladen.

Und da standen wichtige Beschlüsse an.

Von einer „harmonischen Versammlung“ sprach der alte und neue Vorsitzende des Niedersächsischen Sportschützenverbandes (NSSV), Heinz-Helmut Fischer, nachdem er am Sonnabendnachmittag die Landesdelegiertenversammlung beendete. Auch aus Uelzener Sicht zogen Präsident Friedrich Wollbrandt und Vizepräsident Jörg Martens ein zufriedenes Resümee.

Die Ehrenmedaille für Friedrich Wollbrandt gab es von Heinz-Helmut Fischer (links) und DSB-Präsident Josef Ambacher (rechts).

Im Mittelpunkt der Tagesordnung stand Punkt 11: Die Festsetzung des Verbandsbeitrags ab 2013. „Jeder wehrt sich erstmal gegen eine Beitragserhöhung“, weiß Wollbrandt. Doch am Ende stand fest: Ab 2013 zahlte jedes Mitglied des Niedersächsischen Sportschützenverbandes 75 Cent im Jahr mehr als bisher. Nötig ist die Beitragserhöhung, um das Darlehen zu tilgen, dass die Schützen durch den Bau des Bundesstützpunktes in Hannover vor sich her schieben. Zur Zeit beträgt das Darlehen noch rund 380 000 Euro. Mit 15 Gegenstimmen und einer Enthaltung wurde die Erhöhung angenommen inklusive eines Antrags vom Schützenverband Hildesheim-Marienburg, eine zeitliche Befristung bis 2017 einzubauen. 25 Cent des Beitrags werden für die laufenden Kosten der Geschäftsstelle und des Bundesleistungszentrums genutzt, 50 Cent für die Kredittilgung. „Über eine Verlängerung des Zahlungszeitraums über 2017 hinaus sollen die zuständigen Organe des NSSV situationsbezogen 2016 entscheiden“, lautete es im Antrag.

„Historisch“ nannte der Vorsitzende Fischer diese „Uelzener Entschlüsse“. Und so gingen die Wünsche von Uelzens Bürgermeister Otto Lukat in Erfüllung, der sich in seinen Grußworten „einen positiven Zusammenhang“ erhofft hat.

Wiederwahl: Heinz-Helmut Fischer bleibt Präsident des Niedersächsischen Sportschützenverbandes – zumindest für zwei Jahre.

Doch auch um ein anderes Thema kamen die Schützen nicht herum: die Mitgliederentwicklung. Es sei das Hauptziel der Zukunft, betonte Josef Ambacher, Präsident des Deutschen Schützenbundes, neue Mitglieder zu gewinnen. Die demografische Entwicklung, die Stundenpläne und die Konkurrenz der Sportangebote seien alles Punkte, mit denen die Schützen zu kämpfen haben. „Wenn wir nichts unternehmen, dann werden wir und unsere Vereine langsam aussterben“, unterstrich Ambacher. So gäbe es Vereine, in denen nur drei oder vier 75-Jährige einmal in der Woche gemeinsam üben, so Ambacher. Aus diesem Grund betonte der die Wichtigkeit der Aktion „Ziel im Visier“ des Deutschen Schützenbundes. Dieser erarbeitete in Zusammenarbeit mit der Führungs-Akademie des Deutschen Olympischen Sport Bundes ein Konzept, das die Vereine darin unterstützt, ihre derzeitigen Mitglieder besser an sich zu binden und neue Mitglieder zu gewinnen. Als einen wichtigen Baustein in diesem Konzept plant der Deutsche Schützenbund in Zusammenarbeit mit seinen Landesverbänden im Rahmen der Kampagne „Ziel im Visier – Zukunft Schützenverein“ für den 6./7. Oktober ein „Wochenende der Schützenvereine“.

Wechsel im Vorstand: Nach den Wahlen gab es einen neuen Landesschatzmeister und einen neuen Landesjugendleiter.

Handlungsbedarf sieht Ambacher auch in der Einbindung der Frauen: „Wenn Mütter und Omas dabei sind, dann kommen auch die Kinder mit.“ Frauen sind seiner Meinung nach nicht nur „Putzis“, sondern „Deko“. Und auch die Senioren sollten nicht vernachlässigt werden. Auch Heinz-Helmut Fischer macht die negative Mitgliederentwicklung im Verband große Sorgen: „Wir haben in den letzten Jahren rund 35 000 Mitglieder verloren.“ Der Kreisschützenverband Uelzen hat aktuell 4332 Mitglieder. „Wir haben seit 2006 320 Mitglieder verloren“, sagt Wollbrandt. Im Schützenbund Niedersachsen sind insgesamt 1959 Vereine mit 238 213 Mitgliedern gemeldet. Auf den NSSV fallen 158 628, das entspricht 66,59 Prozent. Doch Fischer stellte auch die Frage, ob die Mitgliederentwicklung nur auf Austritte oder Todesfälle zurückzuführen sei, oder ob es in vielen Fällen an den falschen Meldungen der Vereine läge. „Wir haben viele Beweise, die meine Zweifel rechtfertigen“, sagte Fischer mit Blick auf Wettkampfmeldungen, bei denen das Eintrittsdatum nicht mit der „Mitgliedermeldung“ übereinstimmt. Oder aber im Falle von Ehrungen, die aufgrund falscher Eintrittsdaten nicht vorgenommen werden könnten.

Kein zweites Burgdorf wünschte Friedrich Wollbrandt vor der Veranstaltung allen Teilnehmern. Der Wunsch ging in Erfüllung, auch wenn es wie vor zwei Jahren bei der Versammlung in Burgdorf Störfeuer der KSV Göttingen gab. In Burgdorf gab es eine Kampfabstimmung, am Sonnabend lediglich einen Antrag. Betroffen: die Landesdamendeligierte Brigitte Jeglorz aus Uelzen. Doch der Antrag gegen die Leiterin wurde mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Mehrheitlich angenommen wurde der Haushalt für dieses Jahr. Gespart werden sollen 27 000 Euro Personalkosten und 15 000 Euro im Sportbereich in den nicht-olympischen Disziplinen wie Vorderlader-Schießen oder Schießen auf die laufende Scheibe.

Die nächste Delegiertenversammlung findet in zwei Jahren voraussichtlich in Munster statt. Dann wird vermutlich auch Hans-Helmut Fischer sein Amt als Präsident abegeben, denn er wurde zwar in Uelzen wiedergewählt, aber er selbst kündigte an, dass „es nur eine kurze Zeit sein wird“.

Mit dem abendlichen Ball in der Uelzener Stadthalle wurde der Sonnabend beendet.

Von Jörn Nolting

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