DGB-Maikundgebung auf dem Herzogenplatz / Redner rufen zu reger Beteiligung an Europawahl auf

„Hingehen und Flagge zeigen“

Lars Stubbe (rechts), Bezirkssekretär der Gewerkschaft Verdi, hielt gestern eine Ansprache zum 1. Mai in Uelzen. Foto: Schossadowski

Uelzen. Unter dem Einfluss der Europawahl am 25. Mai stand gestern die Maikundgebung auf dem Herzogenplatz, zu der die Gewerkschaft DGB aufgerufen hatte.

„Wir müssen dem Europäischen Parlament durch eine hohe Wahlbeteiligung Rückhalt verschaffen“, betonte Uelzens Bürgermeister Otto Lukat vor mehreren hundert Zuschauern. „Hingehen und Flagge zeigen“, das sei die Devise für den 25. Mai, um die magere Beteiligung bei der vergangenen Kommunal- und der Landtagswahl in Niedersachsen zu übertreffen.

Damit griff Lukat einen Faden auf, den Lars Stubbe, Bezirkssekretär der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, zuvor in seiner Ansprache gesponnen hatte. Bei einer geringen Beteiligung an der Europawahl bestehe die Gefahr, dass rechtskonservative Kräfte hohe Ergebnisse erzielten, warnte Stubbe. Diese Parteien hätten aber nicht im Entferntesten ein Interesse daran, die Anliegen der Arbeitnehmer zu verteidigen.

„Gute Arbeit. Soziales Europa“ lautete das Motto der Kundgebung. Dabei schlug Stubbe den Bogen zu den hoch verschuldeten Staaten im Süden Europas, in denen die Jugendarbeitslosigkeit extrem hoch sei und die Wirtschaft am Boden liege. „Diese Krise ist noch nicht vorüber“, sagte Stubbe. Der DGB fordere deshalb „einen europäischen Marshallplan mit massiven Investitionen, damit die europäische Wirtschaft wieder in Gang kommt“.

Missstände hat Stubbe auch in anderen Teilen der Erde ausgemacht. Er erinnerte an die unmenschlichen Arbeitsbedingungen in Teilen Südostasiens, insbesondere an den Tod vieler Arbeiterinnen in einer Textilfabrik in Bangladesch im Jahr 2013. „Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit, gegen die wir angehen müssen“, bekräftigte er.

Doch auch in Deutschland gebe es Probleme. Hier sei die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahren massiv gewachsen – und damit auch der psychische Druck auf die Beschäftigten. „Zu viel Arbeit macht krank“, erklärte Stubbe.

Mitglieder anderer Gewerkschaften kamen gestern ebenfalls zu Wort. Dabei lobte Silke Kettner von der Gewerkschaft NGG die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro. Trotzdem warnte sie: „Wir müssen aufpassen und Druck machen, dass nicht noch weitere Ausnahmen von den Arbeitgeberverbänden Eingang in dieses Gesetz finden.“

Nach der Maikundgebung begann auf dem Herzogenplatz ein Familien- und Kulturfest. Dabei gab es Spiele für Kinder, Infostände von Parteien, Gewerkschaften und Vereinen, Musik, sportliche Vorführungen sowie Speisen und Getränke.

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare