„Aufstocker“, Geflüchtete und Kranke als Herausforderung für Agentur und Jobcenter in Uelzen

Hilfsbedarf bei den Schwachen

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Die Situation am Arbeitsmarkt ist für Arbeitnehmer gerade sehr günstig. Aber nicht alle können profitieren: Langzeitarbeitslose müssen häufig erst „den Kopf frei bekommen für das Thema Arbeit“, Geflüchtete die deutsche Sprache lernen.

Uelzen/Landkreis. In ihrer Jahresbilanz für 2017 und dem Ausblick für 2018 haben die Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen und das Jobcenter Uelzen den Schwerpunkt auf die Schwierigkeiten der hiesigen Arbeitnehmer aufgrund des sich verschärfenden Fachkräftemangels und die guten Chancen für Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt gelegt (AZ berichtete).

Außerdem gab es Informationen zu den Themen Langzeitarbeitslosigkeit, Langzeitleistungsbezieher und Flüchtlinge.

In Sachen Langzeitarbeitslosigkeit stellte Kerstin Kuechler-Kakoschke, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, fest, dass diese 2017 um 7,7 Prozent zurückgegangen ist – somit seien im gesamten Agenturbereich 891 Langzeitarbeitslose weniger zu verzeichnen. Allerdings bleibt ihr relativer Anteil an den Arbeitslosen insgesamt gleich, sodass die Agentur hier weiter ein großes Aufgabenfeld sieht.

Die Frage, warum einige Personen auch nach einem halben Jahr noch nicht wieder in den Arbeitsmarkt integriert sind, beantwortet Kuechler-Kakoschke mit einem hohen Anteil Langzeitarbeitsloser ohne abgeschlossene Berufsausbildung (45 Prozent) und Problematiken im persönlichen Bereich. Unter anderem hätte dieser Personenkreis häufig mit Drogenproblemen, Verschuldungen und Erkrankungen zu tun. Mit dem Projekt INGA werde dagegen angegangen – vernetzten, unterstützen und „den Kopf frei machen für das Thema Arbeit“ stehe dabei im Vordergrund.

In Sachen Langzeitleistungsbezieher führte Carola Gustke für das Jobcenter Uelzen aus, dass hier für 60 Prozent gelte: Sie haben Einkünfte, diese sind aber zu niedrig und sie erhalten ergänzende Unterstützung („Aufstocker“). Hier sei das Netzwerk ABC ein Ansatz, das Problem in den Griff zu bekommen.

97 Flüchtlinge im Landkreis gelten derzeit als arbeitslos, neun bekommen Leistungen nach dem SGB III, 88 nach dem SGB II. Hierzu führte Kerstin Kuechler-Kakoschke aus: Rund 20 Prozent der Flüchtlinge seien Fachkräfte mit Ausbildung. 2017 seien 25 Vermittlungen in den ersten Arbeitsmarkt gelungen, 18 Geflüchtete hätten eine Ausbildung begonnen. Ausbildungen seien allerdings weniger beliebt als einfache Arbeit, bei der kurzfristig mehr verdient werden könne.

Man sei zudem zu der Erkenntnis gelangt, das das Erlernen der deutschen Sprache eine größere Hürde ist, als zunächst angenommen. Hier müsse man von einer längeren Lernzeit als einem halben Jahr ausgehen. Auch Alphabetisierungskurse seien wichtiger als erwartet. Insofern spielten Sprach- und Integrationskurse in diesem Bereich weiter eine große Rolle.

Von Steffen Kahl

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