Hilferuf nach Lüneburg

Hier laufen ab sofort auch die Notrufe aus Uelzen auf: Polizeikommissar Michael Schubert in der Lüneburger Leitstelle Luna.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. „Kommen Sie schnell, die haben mir hier an der Katzenbuckelbrücke das Handy entrissen.“ Dann ist die Leitung tot. Anrufe wie diese kommen vor allem an Wochenenden häufiger vor auf der Uelzener Polizeiwache. Genauer gesagt: Sie kamen häufiger vor. Denn wer in Stadt und Kreis Uelzen die 110 wählt, wird seit einigen Tagen nicht mehr mit der Uelzener Wache verbunden. Stattdessen werden sämtliche Notrufe an die Polizei Lüneburg zu den Beamten der Lage- und Führungszentrale „Luna“ bei der dortigen Polizeidirektion (PD) umgeleitet.

Nicht nur aus dem Landkreis Uelzen, auch aus Lüchow-Dannenberg laufen jetzt alle Notrufe bei „Luna“ auf – es ist der nächste Schritt eines Konzentrationsprozesses, der vor Jahren mit der Abstufung Uelzens von einer Polizeiinspektion (PI) zu einem Kommissariat unter der Federführung der PI Lüneburg begann.

Die Konzentration der Notrufe ist nunmehr der nächste Schritt. Eine politische Entscheidung, die die Polizeidirektion als Fortschritt preist: Man wolle so die örtlichen Polizeidienststellen entlasten, mit dem frei werdenden Personal vor allem nachts weitere Streifenwagen besetzen, sagt PD-Sprecherin Wiebke Timmermann. Doch vor Ort ist man skeptisch – wenn es auch offiziell niemand sagen darf. „Ortskenntnisse sind ein Vorteil, den man auch durch Technik nicht ausgleichen kann“, heißt es intern unter Uelzener Polizisten. Wenn etwa ein Überfallopfer den Notruf 110 wählt und sofort einen Beamten auf der Uelzener Wache erreicht, der mit seinem Wissen über die Örtlichkeit die richtigen Fragen stellen und die Streifenwagen ins Umfeld auf mögliche Fluchtwege schicken kann, dann bedeutet das einen schnellstmöglichen Ablauf. „Je mehr Zwischenstationen da eingebaut werden, desto größer sind die Reibungsverluste und so verrinnt wertvolle Zeit“, schildert ein Beamter gegenüber der AZ. Denn das Opfer hat zunächst einen Beamten aus Lüneburg am Telefon. Der hat zwei Möglichkeiten: Er tippt den Vorfall in den Einsatzleitrechner und leitet ihn auf diese Weise der Wache in Uelzen zu, oder er verbindet den Anrufer direkt mit der Uelzener Wache. In jedem Fall aber ist der Notruf länger unterwegs. Denn entweder muss der Anrufer dem Einsatzleiter in Uelzen den Vorfall nochmal schildern, oder aber auf der Uelzener Wache hat man zunächst gar keinen Kontakt mit dem Opfer – was fatal sein kann, wenn es zum Beispiel genaue Nachfragen zum Tatort oder dem Fluchtweg des Täters gibt.

Die Sprecherin der Polizeidirektion verweist derweil darauf, dass man derzeit noch in der „Umbruchphase“ sei: „Später sollen die Streifenwagen auch in Uelzen von Luna direkt angesprochen werden“. Personalverschiebungen, etwa von Uelzen nach Lüneburg, um die dortige Notrufzentrale aufzustocken, seien „im derzeitigen Stadium nicht geplant“. Der Erhalt der öffentlichen Sicherheit in Uelzen leide durch die Umleitung der Notrufe nicht, versichert der hiesige Polizeichef Dieter Klingforth auf AZ-Nachfrage: „Natürlich müssen sich die Abläufe einspielen, aber durch die Zentralisierung, verbunden mit der technischen Unterstützung, kann man vieles schneller machen als bisher.“

Eines muss allerdings auch der Polizeichef einräumen: Dass durch die Umleitung der Notrufe mehr Streifenwagenpräsenz in Uelzen erzielt werde, „diesen Effekt sehe ich zumindest bei uns nicht“.

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