Rita Höber-Läer und Niko Läer beteiligen sich mit ihrem Schuhhaus Höber an Aktion „Wir machen auf...merksam“

Hilferuf im Lockdown: Wenn die Liquidität in der Ware steckt

Niko Läer und seine Frau Rita Höber-Läer haben 51 schwarze und gelbe Plakate mit dem Slogan „Wir machen auf...merksam“ aufgehängt. Sie wollen endlich wieder öffnen.
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Niko Läer und seine Frau Rita Höber-Läer haben 51 schwarze und gelbe Plakate mit dem Slogan „Wir machen auf...merksam“ aufgehängt. Sie wollen endlich wieder öffnen.
  • Lars Becker
    vonLars Becker
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Uelzen – Das 350-jährige Bestehen des Schuhhauses Höber konnten Geschäftsführerin Rita Höber-Läer (38) und ihr Mann Niko (40) im vergangenen Jahr coronabedingt mit Kunden und fast 40 Mitarbeitern nicht feiern.

Und jetzt – Anfang 2021 – ist angesichts des neuerlichen Lockdowns ohnehin niemandem mehr zum Feiern zumute.

„In der Schuh- und Modebranche steckt die ganze Liquidität in der Ware. Da liegt quasi das Geld bei uns im Lager und in den Regalen – und du kannst nichts machen. Die Unsicherheit bei den Mitarbeitern wächst. Den Januar kriegen wir noch ganz gut hin, aber dann sind die Reserven aufgebraucht und wir müssen uns etwas überlegen. Wir befürchten, dass unsere Filialen im Februar noch geschlossen bleiben, deshalb muss jetzt die Politik reagieren. Es darf nicht so lange dauern, bis Hilfe ankommt“, betont Höber-Läer.

Um ihrem Unmut über die dann monatelange Schließung und Existenzbedrohung für den Handel des nicht-täglichen Bedarfs Luft zu machen, hat sich die Uelzener Geschäftsfrau der bundesweiten Kampagne „Wir machen auf...merksam“ angeschlossen. Seit Dienstag hängen in den Schaufenstern an der Lüneburger Straße deshalb mehr als 50 schwarze und gelbe Plakate mit dem Slogan, der beim flüchtigen Blick ganz bewusst den Eindruck erwecken soll, als würde die Wiedereröffnung des Ladenlokals angekündigt.

Tatsächlich geht es den Initiatoren der vor Weihnachten in ganz Deutschland angelaufenen Aktion – einem Geschäftsführer eines Mode-Labels und einem Geschäftsführer einer führenden Werbeagentur der Modebranche – darum, Solidarität für ihre klare Botschaft zu bekommen: „Wir fordern Gleichbehandlung mit der Gastronomie und die Wiederöffnung des derzeit geschlossenen lokalen Einzelhandels. Die beste Lösung für uns alle wäre eine baldige Wiedereröffnung der Geschäfte. Wir können die Hygieneauflagen mindestens genauso gut wie ein Lebensmittelhandel erfüllen.“

Dem pflichtet Niko Läer bei: „Ich bin sicher, dass man bei uns und bei ganz, ganz vielen weiteren Einzelhändler sicherer einkaufen gehen kann als in einem stark frequentierten Supermarkt.“

Rita Höber-Läer und ihr Gatte erzählen beim Besuch der AZ, wie es ihnen seit Beginn der Pandemie ergangen ist: „Mit März und April sind uns 2020 die beiden stärksten Monate weggebrochen. Jetzt der Dezember und der Januar sind im Schuhhandel traditionell nicht so stark, aber trotzdem haben wir die letzten zwei Monate fast kein Geld verdient. Zum Glück haben wir KfW-Mittel bekommen, aber diese Kredite müssen wir ja auch zurückzahlen. Im Februar geht unsere Saison los. Wir müssen fürchten, dass wir dann wieder auf unserer Ware sitzen bleiben, die aber schon komplett aus Eigenmitteln bezahlt ist. Vielleicht müssen wir sogar noch externe Lagerflächen anmieten, was Kosten darstellt, die wir uns nicht leisten können. Zum Glück ist es so, dass unsere Lieferanten jetzt aktuell keine weitere Ware schicken, obwohl sonst im Januar immer die für das Frühjahr und den Sommer kommt.“

Umstrukturierungs- und Renovierungspläne für ihr Unternehmen, das aus sechs Filialen in Uelzen, Bad Bevensen und Winsen besteht, hatten die Eheleute schon auf Eis gelegt. Jetzt geht es zunächst einmal darum, alle finanziellen Löcher zu stopfen, die zwangsläufig weiter wachsen – und parallel Aufmerksamkeit zu schaffen „für eine absolute Notsituation“, wie es auf den Plakaten heißt. In Uelzen und in den sozialen Netzwerken, wo alle Teilnehmer betonen: „Die Läden werden sterben, die Innenstädte veröden. Liebe Regierungs-Mitglieder, lasst uns öffnen oder entschädigt uns angemessen für die Verluste.“ www.freundschaftsdienst.eu

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