Heute ist „Tag des Rauchmelders“: Wie Ehepaar Kruse den Flammen entkam

Rettung in letzter Sekunde

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Symbolfoto

Uelzen. Die Nacht vom 14. auf den 15. Juli dieses Jahres wird Horst und Christa Kruse wohl ewig in Erinnerung bleiben: Gegen vier Uhr morgens war Horst Kruse in seinem Haus in Oldenstadt aus dem Schlaf geschreckt – zu diesem Zeitpunkt hatte die Lampe neben seinem Bett bereits in Flammen gestanden und dichter Rauch hatte sich gebildet.

„Mein Mann hat laut gerufen: Hilfe, Feuer, Hilfe, Feuer“, kann sich Christa Kruse noch ganz genau erinnern. Erst die Rufe ihres Mannes, der aufgrund seiner Gehbehinderung zu diesem Zeitpunkt in einem speziellen Pflegebett einen Raum weiter lag, hätten sie aus dem Schlaf geholt. „Ich bin sofort rüber gelaufen, habe das Fenster aufgerissen, weil es wer weiß wie qualmte.“ Und dieser Qualm war es schließlich auch, der wenige Minuten später die Brandrauchmelder im Haus der Kruses auslöste.

Dass Personen im Brandfall schon vor dem Signal des Melders aufwachen, sei in der Regel nicht der Fall, weiß Arne Lehmann, Referent für Öffentlichkeitsarbeit des Kreisfeuerwehrverbands Uelzen. „Wenn man schläft, bemerkt man das Feuer nicht.“ Ein Brandrauchmelder könne demnach Leben retten.

Horst und Christa Kruse konnten bei einem Brand in ihrem Haus rechtzeitig fliehen. Beide haben richtig gehandelt.

Christa Kruse kann sich an das Signal des Brandrauchmelders kaum noch erinnern. Auch das Gefühl, mit dem sie durch das verqualmte Haus geeilt war, kann sie im Nachhinein nur schwer in Worte fassen. „Wenn man darüber spricht, kommt natürlich alles wieder hoch“, sagt sie und schaut nachdenklich aus dem Fenster der Seniorenresidenz, in der sie und ihr Mann nun übergangsweise leben. Fast automatisch, fast wie eine Maschine sei sie zu ihrem Mann gestürmt, hatte ihn in seinen Rollstuhl gehoben, war mit ihm zum Telefon geeilt, um die Feuerwehr zu alarmieren und anschließend nach draußen geflohen. Christa Kruse benutzt keine Worte wie „Panik“ oder „Angst“, wenn sie von dem Erlebten berichtet – das sei erst später gekommen, sagt sie. „Als ich das erste Mal das ausgebrannte Zimmer sah, das war ein ziemlicher Schock.“

Sämtliche Erinnerungsstücke wurden von den Flammen vernichtet – Fotoalben, Erbgegenstände, Kleidung. Nur mit einem Schlafanzug bekleidet waren die Eheleute Kruse vor dem Feuer geflohen.

Die 73-Jährige und ihr 76 Jahre alter Mann hatten instinktiv richtig gehandelt: Im Brandfall solle man zuerst sich selbst und andere Hausbewohner in Sicherheit bringen und dann anschließend die Feuerwehr rufen, sagt Arne Lehmann. Aber: Fenster sollen, wenn möglich, geschlossen bleiben, wenn sie nicht als Fluchtweg dienten, denn „das Feuer lebt vom Sauerstoff“. Das weiß auch Christa Kruse, dennoch blieb ihr keine andere Wahl: „Da war dieser ätzende Qualm, der einem den Atem verschlägt“, erinnert sie sich. Um sich und ihren Mann vor einer Rauchvergiftung zu retten, hatte sie das Fenster geöffnet.

Nach wie vor ist die häufigste Todesursache im Brandfall die Rauchvergiftung. Um dem vorzubeugen, ist die Anbringung von Rauchmeldern in Niedersachsen seit 2012 gesetzlich geregelt: In Neubauten sind sie in allen Schlafzimmern, Kinderzimmern und Fluren, die als Rettungsweg dienen, Pflicht. Für bestehende Wohnungen gilt eine Übergangsfrist bis 2015.

Die Eheleute Kruse wollen schon bald wieder in ihr Haus nach Oldenstadt zurückkehren. Und auch für sie steht fest: Rauchmelder werden wieder in fast allen Räumen installiert.

Von Anna Petersen

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