Von Woche zu Woche

Die Hemmschwelle sinkt

Da stimmt etwas nicht. In Wolfsburg wurde vor zwei Wochen ein Fan von Hannover 96 durch einen Böller so schwer verletzt, dass er im Koma liegt. In Halle provozierten vor einer Woche Fußballfans des Halleschen FC, eines Drittligisten, Bundespolizisten, nachdem ein 20-Jähriger dazu anstachelt haben soll, die Beamten niederzuschlagen.

Und in Stendal wurde in dieser Woche ein Wagen der Bundespolizei in Brand gesteckt. Die Nachrichten häufen sich, und somit auch die Diskussionen um Pyrotechnik und Gewaltbereitschaft von Randalierern, die nicht nur sich selbst sowie alle anderen Fußballfans gefährden, sondern auch diejenigen, die für die Sicherheit im Dienst sind – zum Beispiel die Polizei und die Bundespolizei. Von vielen Knalltraumen unter den Mitarbeitern der Uelzener Bundespolizeiabteilung spricht deren Leiter Wolfgang Kühl.

Wegen der Krawalle hat Nordrhein-Westfalen sich entschieden, rund 125 000 Euro für Sonderzüge zu Fußballspielen zur Verfügung zu stellen. So sollen andere Bahnreisende vor aufgebrachten Fußballfans geschützt werden. Wenn das Land Geld dafür bereitstellt, ist jedoch ebenfalls die Öffentlichkeit belastet, nicht direkt durch Randale, aber finanziell. Offenbar betrifft die Entwicklung nicht nur eine bestimmte Klientel, sie wird zu einem gesellschaftlichen Problem.

Unter jungen Männern steigt die Gewaltbereitschaft, sagt Kühl. Das erleben Bundespolizisten bei ihren Einsätzen nicht nur bei Fußballfans, sondern auch bei militanten Demonstranten. Wenn eine Flut von Nachrichten abzurufen ist und sich junge Leute an Videos von Krawallen gewöhnen, wie Patrick Reffo, stellvertretender Zugführer am Hainberg, feststellt, ist das alarmierend. Jeder kann und sollte die Gelegenheit wahrnehmen, seine Meinung mit Hilfe von Demonstrationen zu äußern – oder ein Fußballergebnis zu feiern. Aber auf fried-liche Weise, wenn er ernst genommen werden will. – wer sich nicht die eigene Lebensqualität vermiesen lassen und für vermehrte Einsätze der Polizei oder für Sonderzüge aufkommen will, sollte immer wieder das Verhältnis von Recht und Unrecht gerade rücken.

Von Diane Baatani

Rubriklistenbild: © Ph. Schulze

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