Umfangreiches Screening auf zwei Stationen

Helios: „Dynamische“ Corona-Lage - 13 Mitarbeiter positiv getestet

Bei 13 Mitarbeitern des Klinikums ist inzwischen eine Covid-19-Infektion nachgewiesen worden.
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Bei 13 Mitarbeitern des Klinikums ist inzwischen eine Covid-19-Infektion nachgewiesen worden.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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  • Lars Becker
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Dynamisch ja, dramatisch nein: So haben die Verantwortlichen des Helios Klinikums Uelzen den Infektionsausbruch im Krankenhaus am Hagenskamp bewertet.

Uelzen – Die Klinikleitung mit Thomas Clausing (kommissarischer Geschäftsführer), Christian Irmisch (Pflegedirektor) und Dr. Uli-Rüdiger Jahn (Ärztlicher Direktor) stellte sich exklusiv den Fragen der AZ – auch zu Gerüchten über Verstöße gegen Quarantäne-Auflagen oder Hygienestandards.

„Wir befinden uns in einem unter Covid-Bedingungen in Deutschland inzwischen üblichen Zustand, der leider in Krankenhäusern und Pflegeheimen auftritt“, sagte Clausing zu den noch einmal gestiegenen Zahlen. Demnach sind inzwischen 13 der insgesamt rund 800 Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet worden. Sie alle befinden sich in Quarantäne. Bisher sei es nicht gelungen, eine Quelle für das Infektionsgeschehen zu ermitteln.

Klinikum wehrt sich gegen Gerüchte

Entschieden dementierte die Klinik anonym an die AZ herangetragene Hinweise, dass infektiöse Mitarbeiter wissentlich noch gearbeitet hätten oder gar aus der Quarantäne geholt worden seien. Auch eine angebliche Dienstanweisung, weniger Einweghandschuhe zu benutzen, habe es nicht gegeben. Vielmehr habe man an die Belegschaft über die regelmäßigen Informationswege appelliert, Handschuhe nur dort einzusetzen, wo sie auch wirklich sinnvoll seien und sonst vor allem auf den korrekten Umgang mit Desinfektionsmitteln zu achten.

Unmissverständlich erklärte die Klinikleitung, dass die Zahl der infizierten Mitarbeiter noch weiter steigen könne. Auf beiden Stationen des Klinikums, die von positiven Testergebnissen tangiert worden waren, hätten umfangreiche Testungen des dort eingesetzten Personals sowie der Patienten stattgefunden.

Weil die Tests zeitlich versetzt durchgeführt und im Labor analysiert werden, sei nicht auszuschließen, dass in Summe mehr als 13 Mitarbeiter infiziert sein könnten. Gestern gingen die Verantwortlichen davon aus, dass möglicherweise am Montag finale Zahlen vorliegen. Es handele sich aber nicht um ein ansteigendes Infektionsgeschehen, sondern um einen Ausbruch, dessen Ausmaß jetzt ans Licht komme.

Die Testreihe (Screening) hatte Mittwoch mit 60 Mitarbeitern begonnen. Donnerstag folgten 29, gestern bis zum Nachmittag 116 weitere Mitarbeiter. Über die bisher 205 Tests hinaus waren weitere geplant. Die Zahl der Covid-19-Patienten im Klinikum ist von 17 auf 19 gestiegen.

Die wichtigste Botschaft gestern: Wer medizinische Hilfe benötigt, soll sich unbedingt auch in Behandlung begeben. „Wir sind in allen Fachabteilungen handlungs- und arbeitsfähig. Jeder, der immer zum Arzt oder ins Krankenhaus gegangen ist, soll das auch weiterhin tun. Wer beispielsweise einen Schlaganfall verschleppt, verspielt die guten Behandlungs-chancen in den ersten 24 Stunden“, betonte Clausing.

Mit Blick auf den Start der Impfungen gegen das Coronavirus sagte Thomas Clausing: „Wir fänden es sehr gut und wichtig, wenn vor allem unsere Mitarbeiter, die mit covid-positiven Patienten, auf der Intensivstation und in der Notaufnahme arbeiten, auch schnell geimpft würden. Wir warten darauf, dass es losgeht“, so Clausing, der mit Blick auf die aktuelle Corona-Welle in seinem Haus und die Pandemie ergänzte: „Auch eine Impfung ist nicht automatisch ein hundertprozentiger Schutz. Der falsche Glaube von Sicherheit ist sicher ein Problem.“

Unkalkulierbares Restrisiko bleibt

Pflegedirektor Christian Irmisch und der Ärztliche Direktor Dr. Uli-Rüdiger Jahn betonten indes noch einmal, dass das Klinikum selbst keine Teststelle beispielsweise für Reiserückkehrer sei. „Leute wünschen sich oft einen Abstrich bei uns, wir müssen diese Personen aber wieder wegschicken. Wir weisen niemanden ab, weil wir das wollen. Aber dafür sind nun einmal Hausarzt und Gesundheitsamt Ansprechpartner.“

Getestet wird im Helios Klinikum jeder Patient vor seiner stationären Aufnahme. So lange bleibt er im Bereich der Notaufnahme, falls nicht ein lebensbedrohlicher Zustand vorliegt. Wer nach dem Aufenthalt (zurück) in ein Pflegeheim oder in eine Reha-Einrichtung verlegt wird, wird ein weiteres Mal auf Covid-19 getestet. Dazwischen bleibt immer ein Restrisiko. „Denn wir wissen nicht, zu welchem Zeitpunkt seiner Infektion der Patient zu uns kommt“, wie Christian Irmisch klar stellte.

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