Ist es zu heiß, bist du zu schwach...

Auf ins kühle Nass: Bei Temperaturen von 34 Grad im Schatten erfrischten sich die Besucher des Naturfreibades Westerweyhe gestern im Wasser.

Uelzen - Von Diane Baatani, Bernd Schossadowski, und Lars Wendlandt . Hans-Jürgen Malm hat ohne Frage den coolsten Job in Uelzen – und das im wahrsten Sinn der Wortes. Denn während die ganze Stadt bei Temperaturen bis zu 34 Grad auch gestern wieder kräftig schwitzte und bei einigen Supermärkten sogar die Wasserflaschen ausverkauft waren, herrschten an Malms Arbeitsplatz traumhaft kühle minus 28 Grad. Kein Wunder, ist er doch im Lager der Firma Nestlé-Schöller beschäftigt, die unter anderem Speiseeis herstellt. Malm trotzt der Kälte auf seine eigene Weise: Er trägt nicht nur dicke wärmende Kleidung, sondern hat sich auch einen Vollbart stehen lassen, um sein Gesicht zu schützen.

Den wohl heißesten Job Uelzens haben dagegen die Verkäuferinnen in den Bäckereien. Denn zu den tropischen Temperaturen, die zurzeit draußen herrschen, kommt noch die sengende Hitze der Backöfen. „Unser Ofen läuft von morgens um 4.30 bis um 16 Uhr“, erzählt Karin Zielinski, Verkäuferin bei Steineckes Heidebrot-Backstube an der Veerßer Straße. Dann steigt das Thermometer im Laden auf mehr als 40 Grad.

Doch Karin Zielinski nimmt es mit viel Humor. „Unser Chef zahlt uns gleich die Sauna mit“, sagt sie und lacht. Ihr Rezept gegen die Hitze: „Viel trinken und zwischendurch die Arme mit kaltem Wasser baden. Das erfrischt den Kreislauf.“ Drei- bis viermal pro Tag muss die wackere Verkäuferin ihr T-Shirt wechseln, so schweißtreibend ist die Arbeit. Einen Ventilator darf sie in der Bäckerei allerdings nicht aufstellen. „Aus hygienischen Gründen ist das nicht erlaubt“, erklärt sie. Doch die Hitze macht ihr gar nicht so viel aus: „Eine Klimaanlage bräuchte ich hier nicht. Dann wäre es doch viel zu kalt.“

Dominik Weichsel und Niklas Niemeyer suchen freiwillig draußen die hohen Temperaturen auf. Die beiden Jungs habeneinen Fahrradausflug von Lehmke nach Uelzen gemacht. Als Belohnung bei der Hitze gönnten sie sich in der Uelzener Innenstadt zwei große Spaghetti-Eis.

Entspannt gehen auch die Badegäste im Naturfreibad des Uhlenköper-Camps in Westerweyhe mit dem anhaltenden Hochsommer um. Heike Wolfram zieht es vor, neben dem Becken „im Schatten zu liegen, zu lesen und zwischendurch mal kalt zu duschen“. Das sei erfrischender, als im Becken zu baden. Gegen die Sonne schützt sie sich mit Lichtschutzfaktor 50.

Kübra Ercan und Dorja Burnaeva aus Essen haben gerade ihr Abitur hinter sich und über das Internet einen Ort ausgewählt, in dem sie es sich ein paar Tage gut gehen lassen wollen: Die Wahl fiel auf ein Tipi-Zelt im Uhlenköper-Camp, wo sie gestern ankamen. Gegen die Gluthitze empfehlen die beiden 19-Jährigen: „Viel Wasser trinken, viel schwimmen gehen und möglichst wenig anhaben, luftige Sachen, nichts zu Enges bei dem Wetter, und Eis essen.“ Und wenn es nachts im aufgeheizten Zelt zu heiß werden sollte, „dann können wir auch unterm Sternenhimmel schlafen“, sa-gen sie.

Fabian, Jonas und Daniel verbringen die Mittagszeit im Schatten am neuen Hasenkäfig im Naturfreibad und spielen „Tat, Wahrheit oder Pflicht“, da muss man sich nicht so viel bewegen. „Sonst gehen wir viel schwimmen, tauchen auf den Grund und spielen unter Wasser laufen, Yoga oder unsichtbare Zeitung lesen“, verrät das fröhliche Dreiergespann. Die Zehn- und Elfjährigen ziehen auch nachts bei den jetzigen Temperaturen das Zelt dem eigenen Zimmer vor.

Die Menschen in Uelzen lassen sich eben von der Hitze nicht unterkriegen – getreu dem Motto: Ist es zu heiß, bist du zu schwach. Und ein Ende der tropischen Temperaturen ist vor-erst nicht in Sicht. Nach kurzer Abkühlung am heutigen Donnerstag soll es ab morgen im Kreis Uelzen wieder weit über 30 Grad heiß werden. Erst am Wochenende könnte sich die Witterung möglicherweise ändern und der Hochsommer – nach drei Wochen auf Hochtouren – erst mal eine Pause machen.

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