85 Prozent der Strafgefangenen arbeiten im Knast – und beim Personal stehen die Bewerber Schlange

Heiß begehrte Jobs im Gefängnis

Fachgespräch hinter Gittern: Anstaltsleiterin Sabine Hamann, Unterausschuss-Vorsitzender Grant Hendrik Tonne (Mitte) und Marco Brunotte, SPD-Sprecher für Justizvollzug. Foto: Ph. Schulze

Uelzen. Die Zellen sind leer, die Schritte der Besucher hallen durch die Gänge. Kaum ein Gefangener ist zu sehen gestern Nachmittag, als die Politiker des Landtags-Unterausschusses „Justizvollzug und Straffälligenhilfe“ durch die Zellentrakte des Uelzener Gefängnisses gehen.

Kein Insasse ist weit und breit zu sehen – ein gutes Zeichen, sagt Anstaltsleiterin Sabine Hamann. Denn statt in der Zelle zu schmoren, sind die Gefangenen bei der Arbeit. 85 Prozent gehen in der JVA einer Beschäftigung nach, informiert Hamann. Die restlichen 15 Prozent sind vor allem Rentner oder erkrankt – nur ein ganz geringer Prozentsatz verweigert die Arbeit.

Wenn Strafgefangene einen Job haben, ist das in vielfacher Hinsicht von Vorteil. Zum einen verdienen sie Geld, das sie etwa zum Einkaufen oder Telefonieren verwenden können. Ein Teil wird gespart für die Zeit nach der Haft. „Schulden sind bei vielen ein großes Problem“, weiß Anstaltsprecherin Gabriele Bröcher. Zum anderen sind die Gefangenen beschäftigt, das trägt zu einer entspannteren Stimmung bei und sorgt für eine Entlastung des Personals.

Das war nicht immer so. Mit rund 230 Häftlingen im geschlossenen Vollzug ist die JVA Uelzen derzeit „nur“ zu 85 Prozent belegt, in früheren Jahren drängten sich bis zu 300 Gefangene in der Anstalt. Und vor zwei Jahren war das Gefängnis wegen überlasteten Personals und hohen Krankenstandes in die Schlagzeilen geraten.

Die Arbeitsbelastung hat sich normalisiert, die Überstunden wurden von durchschnittlich 82 pro Mitarbeiter auf mittlerweile acht abgebaut. Doch den hohen Krankenstand gibt es nach wie vor. Grund sei ein relativ hoher Anteil an älteren Kollegen, erklärt die Anstaltsleiterin: „Wir befinden uns derzeit in einer Umbruchphase, die Arbeitsplätze bei uns sind begehrt.“

Ein krisensicherer Job in einer strukturschwachen Region lockt viele junge Menschen – auf die jüngst ausgeschriebenen 50 Stellen gab es rund 500 Bewerbungen. Die Landespolitiker ziehen weiter, Gespräche unter anderem mit dem Personalrat und Gefangenen stehen an – da ist die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Von Thomas Mitzlaff

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