Hebammen gesucht

Geburtshelfer leisten viel für wenig Geld – Kein Verdienst bei dritter Geburt

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Wenn schwangere Frauen vor einer Geburt mehr als eine Stunde von einer Hebamme betreut werden müssen, bekommt die Geburtshelferin dafür kein Geld von der Krankenkasse.

Uelzen. Im Jahr 2003 gab es in Niedersachsen noch 107 Krankenhäuser, in denen Kinder zur Welt gebracht werden konnten. 15 Jahre später sind es nur noch 73 Kliniken, in denen Babys das Licht Niedersachsens erblicken können.

Der Fachkräftemangel in der Geburtshilfe ist mittlerweile sogar so groß, dass beispielsweise das Helios Klinikum Gifhorn Hebammen 5000 Euro Prämie bei Einstellung anbietet. Von letztem Montag an bis gestern war der Kreißsaal in der Klinik in Gifhorn schlichtweg geschlossen – aus Mangel an Personal (AZ berichtete).

Zum 1. Januar 2019 wird noch ein Krankenhaus keine Geburtshilfe mehr anbieten können – das Krankenhaus in Wittmund. Werdende Eltern müssen dann nach Aurich oder Varel ausweichen. Die Fahrt dauert dann mal eben schlappe 30 Minuten. „Da sind wir hier in Uelzen noch gut bedient, es gibt Gegenden, da müssen Hochschwangere auch mal 80 Kilometer fahren, bis sie in einer Geburtsklinik sind“, sagt Hebamme Sabine Gehlken. Die Hebamme leitet die Gemeinschaftspraxis „Rundum“ in Uelzen. „Der Beruf ist einfach immer schwerer zu bewältigen“, erklärt Gehlken. Die Verdoppelung der Versicherungskosten im Jahr 2010 brachte viele Hebammen an den Rand des Existenzminimums, andere gaben ihren Beruf auf.

„Der Gesamtverband der Krankenkassen verlangt von uns mittlerweile ja auch, dass wir unsere Qualität bei der Arbeit dokumentieren, was ein zusätzlicher Zeitaufwand ist“, erklärt Gehlken. Da sei ein großer Teil ihres letzten Urlaubes bei drauf gegangen, erzählt die Hebamme weiter.

Seit dem ersten Januar 2018 hat sich auch noch der Betreuungsschlüssel beziehungsweise der Abrechnungsschlüssel für Geburten geändert. Betreut eine Hebamme mehr als zwei Geburten gleichzeitig, kann sie eine dritte oder vierte nicht mehr abrechnen. „Die fällt dann hinten runter, was die Bezahlung angeht“, erklärt Alexandra Gmehling und fügt hinzu: „Wenn wir zum Beispiel in der Klinik zu zweit sind und dann fünf Frauen ihr Kind bekommen, dann arbeiten wir bei der fünften umsonst.“

Auch bekommen Geburtshelfer deutlich weniger Stunden zur Betreuung der Schwangeren vor der Geburt von den Krankenkassen bezahlt. Waren es vor 2018 noch acht Stunden vor der Geburt und drei danach, bekommt nun eine Hebamme nur noch eine Stunde vor und drei nach einer Geburt vergütet. „Das haben wir mehrmals im Monat, aber was soll man machen“, sagt Gmehling abschließend.

Diese Arbeitsbedingungen machen den Beruf Hebamme weniger attraktiv – zu groß der Verwaltungsaufwand, zu gering der Verdienst. So scheint der Hebammenmangel vorprogrammiert. „Das sind die Früchte, die vor vielen Jahren gesät wurden, nun ist eben Erntezeit“, sagt Hebamme Sabine Gehlken – mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus.

Von Robin Vogt

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