AUS DEM GERICHT – 20-Jähriger fährt betrunken Auto, pöbelt Passanten an und animiert Freund zu Falschaussage

„Hatten Angst, dass wir derbe verprügelt werden“

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Hier, an der Gudesstraße, stieg der betrunkene Angeklagte aus dem Auto und pöbelte Passanten an. 

Uelzen – Verschmitzt grinsend sitzt S. auf der Anklagebank im Amtsgericht Uelzen. Gerade hat er die Richterin angelogen und wurde dabei erwischt. Seiner guten Laune tut das offenbar keinen Abbruch.

Der 20-Jährige ist mit Freunden in seinem Audi und 1,5 Promille Alkohol im Blut durch Uelzen gefahren. Das hielt ihn nicht davon ab, an der Gudesstraße anzuhalten und Streit mit einer Gruppe Partygängern zu suchen. Durch die Auseinandersetzung wurde eine Polizeistreife auf die Trunkenheitsfahrt aufmerksam.

Obwohl mehrere Zeugen aussagen, dass S. am Steuer saß, leugnet er bis kurz vor Verhandlungsende die Tat. „Wir waren zum Feiern in Lüneburg“, erklärt S.. Sein Auto habe er einem Kumpel gegeben, der sie später abgeholt habe. Besagter Kumpel habe auch am Steuer gesessen, als an der Gudesstraße „ein Typ vors Auto gesprungen ist“. S. sei mit seinen Freunden ausgestiegen, „um zu fragen, was das soll“. Die Zeugen würden nun versuchen, ihm eins auszuwischen.

Der junge Mann, der angeblich vor das Auto von S. gesprungen ist, stellt den Sachverhalt anders dar: Er sei mit gespreizten Beinen über Betonpflöcke gesprungen, zu keinem Zeitpunkt aber auf der Straße gewesen. Dann sei das Auto von S. vorbeigefahren: „Die Insassen haben den Mittelfinger aus dem Fenster gestreckt.“ Das Auto habe gehalten: „Die Drei sind mit breitem Kreuz und im Stechschritt auf uns zugekommen. Wir hatten Angst, dass wir derbe verprügelt werden.“ Als er die Polizei rufen wollte, habe ihm S. das Handy weggenommen. Das habe er bis heute auch nicht wieder.

Der vom Angeklagten als Fahrer genannte Kumpel versucht, S. zu decken, verstrickt sich aber in Widersprüche. „Das passt vorne und hinten nicht, was Sie uns da erzählen“, merkt die Staatsanwältin an. Schließlich gibt der Kumpel zu: „Vielleicht hab’ ich ein bisschen gelogen.“ S. wird nach Erwachsenenstrafrecht zu einer Geldstrafe von 1400 Euro verurteilt und muss seinen Führerschein für sechs Monate abgeben. „Da steht man schon etwas fassungslos davor, wenn jemand den eigenen Freund mit einer Falschaussage so dermaßen in Gefahr bringt“, fasst Richterin Claudia Hagemann zusammen. S. scheint sich keiner Schuld bewusst zu sein: Er schmunzelt.

VON SANDRA HACKENBERG

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