Medizinisches Personal wird beleidigt

Harsche Worte im Uelzener Impfzentrum

Mit der Bewachung und Kontrolle ist ein Security-Team am Uelzener Impfzentrum betraut. Wie der Landkreis erklärt, vergreifen sich Impflinge im Ton.
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Mit der Bewachung und Kontrolle ist ein Security-Team am Uelzener Impfzentrum betraut. Wie der Landkreis erklärt, vergreifen sich Impflinge im Ton.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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Im Uelzener Impfzentrum vergreifen sich Menschen im Ton. DRK-Mitarbeiter und Mediziner werden beleidigt. Ein Grund: Der Impfstoff, der verabreicht werden soll. In anderen Fällen fordern Begleiter von Impflingen, dass auch sie eine Injektion erhalten. Nun meldet sich der Landrat zu Wort.

Uelzen – Im Minutentakt rollen gestern Mittag Autos die Auffahrt zum Uelzener Impfzentrum hoch. Unterlagen werden gesichtet. Wer einen Impftermin hat, der erhält Zugang zum Gelände. Das wirkt alles routiniert und gesittet. Aber so friedlich geht es nicht immer zu, wie Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume jetzt in einem Video berichtet.

„Der Ton wird rauer“, sagt Blume. Was Mediziner und Mitarbeiter, die sich um die Impflinge kümmern, an Worten zu hören bekommen, sei „teilweise deutlich unter der Gürtellinie“. Das Uelzener DRK, das medizinische Kräfte stellt, spricht von „Anfeindungen“ und „Beschimpfungen“, denen sich Mitarbeiter erwehren müssten.

Die hitzigen Szenen sind immer wieder dem Impfstoff geschuldet, der injiziert werden soll, wie der Landkreis als Betreiber des Impfzentrums auf AZ-Nachfrage erklärt. Ein Auswahlrecht für einen bestimmten Impfstoff existiert nicht, sagt Kreissprecher Martin Theine. Und in den vergangenen Wochen habe vermehrt der jeweils verwendete Impfstoff zu Diskussionen geführt.

Es waren jene Wochen, in denen sich die Nachrichten zu Impfstoffen und deren etwaigen Nebenwirkungen überschlugen. So ist beispielsweise in Deutschland nun das Vakzin von Astrazeneca nur noch für die Über-60-Jährigen empfohlen, nachdem Fälle von Thrombosen bekannt wurden. Der Einsatz für Jüngere bleibt nach ärztlichem Ermessen bei Menschen ohne höheres Blutgerinnsel-Risiko freiwillig möglich.

Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume – er appelliert, den Respekt zu wahren.

Aber die Frage des Impfstoffs allein ist es nicht, weswegen es im Impfzentrum mitunter „unter die Gürtellinie geht“. Auch wer wann geimpft wird, sorgt für Unmut. „So beschweren sich zum Beispiel Begleitpersonen von Impflingen darüber, dass sie nicht gleich ,mitgeimpft‘ werden können“, berichtet Theine.

Weiterhin werde erwartet, dass ein Termin im Impfzentrum gebucht werden oder auch der Termin für die zweite Injektion beliebig verschoben werden könne. „Die ,Abarbeitung‘ der Warteliste erfolgt jedoch grundsätzlich über das Land Niedersachsen“, sagt Theine.

Wer einen Termin haben möchte, der kann online aktiv werden oder sich an die Impfhotline des Landes wenden. Läuft etwas aus Sicht von jemandem beim Telefonat nicht rund, wird sich darüber auch schon mal im Impfzentrum beschwert. Das Land habe aber nachgesteuert, so Theine. Es solle nun bei der Terminbuchung erkennbar sein, welcher Impfstoff für den Termin vorgesehen sei. Und es sei die Möglichkeit geschaffen worden, Termine auch online zu stornieren.

Bisher ist die Situation noch nicht so eskaliert, dass jemand des Impfzentrums, das für Bewohner aus den Landkreisen Uelzen und Lüchow-Dannenberg zuständig ist, verwiesen werden musste. Aber in schwerwiegenden Fällen sei das möglich, stellt der Kreissprecher klar.

Er verstehe, so Landrat Heiko Blume, dass bei vielen die Nerven blank liegen würden. Das rechtfertige aber nicht Beleidigungen und Verunglimpfungen. Er appelliert, den Respekt zu wahren und weiter auf sich achtzugeben. Vom DRK heißt es: „Wir haben Verständnis für die persönlichen Zwänge und Nöte des Einzelnen und wünschen uns trotz allem einen wertschätzenden Umgang miteinander.“ Und längst kassieren die Kräfte nicht nur Schelte und Beleidigungen. Es gebe an vielen Stellen positives Feedback. „Das bestärkt uns in unserer Arbeit.“

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