Tiere wohlbehalten im Stadtgraben freigelassen

Happy End für eine Entenfamilie in Uelzen

UELZEN - Der Mann weiß, was er tut. Geschickt stochert Jochen Untiedt mit der Stange seines Keschers in einem kleinen Buchsbaum herum. Der Annäherungsversuch des Stadtforst-Mitarbeiters wird von lautem Geschnatter und aufgeregtem Piepen aus vielen Schnäbeln begleitet.

Plötzlich watschelt eine Entenmutter aus dem Gebüsch hervor, 15 braun-beige Küken folgen ihr geschwind. Jetzt kommt es auf jede Sekunde an: Untiedt wirft das Netz des Keschers nach der Entenmama und schafft es schon im zweiten Versuch, das wild flatternde Tier einzufangen.

Der erste Teil der Tierrettung, die sich am Mittwochvormittag im Innenhof des Uelzener Optikergeschäfts Lassen an der Veerßer Straße vollzieht, ist geglückt. Während die Entenmutter sicher in einem Pappkarton sitzt, gelingt es Untiedt, auch die wenige Tage alten Küken einzusammeln – und zwar alle 15 mit einem einzigen Wurf des Keschers. „Ich komme aus der Landwirtschaft und habe schon viele Tiere gefangen“, kommentiert Untiedt die gekonnte Rettungsaktion mit einem Schmunzeln. Auch die Küken landen unverletzt in einem Karton.

Sabrina Lorentz, Praktikantin bei der Stadtforst Uelzen, zeigt die 15 Entenküken, die erfolgreich gerettet wurden. Foto: Schossadowski

Vermutlich seit Dienstag hat sich die gefiederte Familie im Innenhof aufgehalten. „Da habe ich sie das erste Mal gesehen“, sagt Rainer Jothann, Betriebsleiter des Optikergeschäfts. Die Ente habe wohl in dem Buchsbaum gebrütet, vermutet er. Sogleich stellte er den Tieren eine Schale Wasser hin und legte ein paar Scheiben Toastbrot dazu.

Doch wie sollten die Küken zu einem Gewässer gelangen? Allein ist das für sie unmöglich. „Ich habe bestimmt 20 Telefonate geführt“, schildert Jothann. Tierheim, Veterinäramt und Untere Naturschutzbehörde des Landkreises waren nicht die richtigen Ansprechpartner. Schließlich hatte Jothann Stadtförster Thomas Göllner am Telefon – und der versprach ihm schnelle Hilfe.

Mit seinem Kollegen Untiedt und den Praktikanten Sabrina Lorentz und Malte Müller von der Ebstorfer Georgsanstalt schaute Göllner gestern im Innenhof vorbei. „Als Stadtforst sind wir ja für Wildtiere zuständig“, erläutert Göllner. Ein Reh, einen Igel und einen Goldfasan haben seine Mitarbeiter und er schon mal aus einer misslichen Lage befreit, doch eine Entenfamilie ist für sie Neuland.

Die Rettungsaktion findet schließlich im Stadtgraben ein Happy End. Dort werden die Ente und ihren Jungen ins Wasser gelassen. Mit empörtem Gezeter schwimmt die Mama davon, ihr flauschiger Nachwuchs folgt ihr wie Perlen an einer Schnur. Göllner ist erleichtert: „Das ist optimal gelaufen.“ Wäre die Entenmutter jedoch im Innenhof davongeflogen, hätten die Küken wohl keine Überlebenschance gehabt. „Aber sie ist wirklich eine tolle Entenmutter“, freut sich der Stadtförster.

Von Bernd Schossadowski

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