Mit Handicap und Badekappe

Heiko Förstel aus Uelzen bringt Kindern mit Behinderung das Schwimmen bei

Heiko Förstel bringt dem kleinen Maxi das Schwimmen bei. Förstel ist nach eigener Aussage der einzige Schwimmlehrer in ganz Niedersachsen, der sich Kindern mit Handicap annimmt. 
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Heiko Förstel bringt dem kleinen Maxi das Schwimmen bei. Förstel ist nach eigener Aussage der einzige Schwimmlehrer in ganz Niedersachsen, der sich Kindern mit Handicap annimmt.

Uelzen – Planschen im Badesee, im Schwimmbad Bahnen ziehen oder Schwimmen im Meer: Was für viele Menschen selbstverständlich ist, stellt für die Schützlinge von Heiko Förstel eine große Herausforderung dar.

Förstel ist Fachangestellter für Bäderbetriebe bei der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf. Nebenberuflich engagiert er sich schon seit 2003 als Schwimmlehrer – und das seit 2015 auch für Kinder mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung. Dafür legte Förstel eigens Zusatzprüfungen ab. „Kinder mit Handicap werden total vergessen“, beklagt der Uelzener. Viele Eltern hätten Zweifel, ob sie ihr Kind zum Schwimmkurs schicken sollten. Kinder mit Behinderung seien noch immer stigmatisiert, bedauert Förstel.

Der kleine Maxi war der erste, den Förstel im Schwimmen unterrichtete. Inzwischen hat der zwar längst erfolgreich seine Seepferdchen-Prüfung abgelegt, zum Schwimmen kommt er aber noch immer. Damit ist Maxi einer von aktuell fünf Schwimmschülern, die Förstel betreut. Doch der Unterrichtsbetrieb steht corona-bedingt seit März still, erst nach den Herbstferien sollen wieder Stunden stattfinden.

Auf eine Spende von „Ein Herz für Kinder“ folgte für Förstel schließlich die Zusammenarbeit mit der Stiftung „Deutschland schwimmt“, die er als Erster nach Niedersachsen holen konnte. Dadurch hofft Förstel, mehr Kurse anbieten zu können. Bislang ist er nach eigener Aussage mit einer Mitarbeiterin der einzige Schwimmlehrer in Niedersachsen, der Kindern mit Handicap den Schwimmunterricht ermöglicht. Die schlechte Versorgung führt Förstel wiederum auf das Stigma der Behinderung zurück: „Weil sich keiner traut, mit Behinderten zu arbeiten.“

Der 37-Jährige kritisiert zudem die „blöden Blicke“, mit denen er und seine Schüler immer wieder bedacht werden. Aber: „Man muss damit umgehen können und dazu stehen.“

Dabei erlernen Kinder mit Handicap laut Förstel im Prinzip genauso das Schwimmen wie gesunde Kinder – sie bräuchten nur mehr Zeit. Bis zu 60 Stunden seien notwendig, während sonst nur rund 15 Stunden üblich seien.

Außerdem erhalten alle Kinder mit Behinderung Einzelunterricht. „Damit das Kind die volle Aufmerksamkeit bekommt“, wie Förstel erklärt. Bei vielen von ihnen müsse beispielsweise zunächst der Gleichgewichtssinn stabilisiert und Vertrauen zum Element Wasser aufgebaut werden. Das gelingt Förstel unter anderem mit dem Einsatz von Poolnudeln oder Schwimmbrettern.

Seine Motivation für das jahrelange Engagement begründet Heiko Förstel auch mit der hohen Zahl von tödlichen Badeunfällen. Zur Einordnung: Allein 2019 sind laut DLRG in Deutschland 25 Kinder im Alter von null bis zehn Jahren ertrunken. VON DANIEL BIELING

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