Mut zum Handeln

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„Man ist erschrocken, wie viel noch in Schutt und Asche liegt“: Klaus-Jürgen Hedrich (links), ehemaliger Bundestagsabgeordneter für Uelzen, schaut sich derzeit mit Gregor Werth von der Organisation Help den Wiederaufbau in Haiti an.

Haiti/Uelzen. Vereine, Firmen und Privatpersonen im Landkreis Uelzen haben im vergangenen Jahr hohe Summen für die Einwohner von Haiti gespendet. Schüler starteten Sponsorenläufe zugunsten der medizinischen Versorgung von Erdbebenopfern und des Wiederaufbaus vor genau einem Jahr. „Es ist alles kein Problem des Geldes“, schildert der Uelzener Klaus-Jürgen Hedrich, ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter und Vorstandsmitglied von „Help – Hilfe zur Selbsthilfe“, wie er die Situation vor Ort in diesen Tagen wahrnimmt. „Die deutschen Bürger haben Millionen gespendet.“ Von Diane Baatani

Hedrich befindet sich in Petit Goave, 60 Kilometer südlich von Haitis Hauptstadt Port-au-Prince. In dem Ort bauen Mitarbeiter von Help gemeinsam mit Einheimischen eine große Lagerhalle sowie eine Tischlerwerkstatt mit Eisen- und Metallverarbeitung. In der Tischlerei fertigen sie die Bauteile für Häuser an. Weitestgehend werden sie aus Holz gebaut, und für die Dächer wird Wellblech verarbeitet.

Es muss alles erdbebensicher verarbeitet werden, erläutert der ehemalige Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, da durch das Erdbeben ganze Ortschaften mit Wohnhäusern, Krankenhäusern und Schulen zerstört wurden. „Holz ist stabiler als normaler Zementbau. Die Häuser reagieren flexibler bei Erdbeben und können auch einen Hurrikan überstehen.“ Die Arbeiten werden mit Ausbildungsmaßnahmen für Einheimische verbunden. 30 Kräfte werden von der Organisation im Holz- und Metallhandwerk angelernt. „Sie sollen selbst gestalten können – Hilfe zur Selbsthilfe.“

Allerdings kommen sie doch langsamer voran, als sie es sich wünschen. „Haiti leistet sich eine überwuchernde Bürokratie.“ Seit Wochen warte Help darauf, dass ihnen zwei Fahrzeuge vom Zoll genehmigt werden, damit sie ihre verschiedenen Standorte anfahren können, kritisiert der Uelzener.

Und die Bevölkerung habe den Schrecken noch nicht überwunden. Die Menschen wollen häufig ihre bisherigen Wohnviertel nicht verlassen, berichtet Hedrich. „Die Mehrheit verhält sich doch noch passiv.“ Einheimische würden manchmal erstaunt den Arbeitenden zuschauen, daher regt der 69-Jährige an: „Wir müssen Mut machen zu mehr Eigeninitiative.“ Hinzu kämen Probleme mit der Stromversorgung. In einigen Ortschaften gebe es zwar den ganzen Tag Strom. Help habe vorsichtshalber einen eigenen Generator angeschafft. Wenn Holz geschnitten wird und Strom ausfällt, läge sonst der ganze Betrieb lahm. Viele Dörfer seien ohne Strom und es fehle an Wasser, aber: „Sie sind wenigstens in der Lage zu kommunizieren. Die Telekommunikation ist hervorragend, da hat sich die internationale Gemeinschaft auch eingebracht“, betont Hedrich.

Als Nächstes steht ein Besuch in Port-au-Prince an, wo er den deutschen Botschafter und Vertreter der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit trifft. Nach Ostern möchte eine Delegation des Bundestages nach Haiti fliegen. Hedrich wird den Mitgliedern vorab von seiner Reise berichten. „Die deutsche Entwicklungshilfe und die internationale Gemeinschaft müssen sich stärker abstimmen.“ Es sei wichtig, „einen Beitrag dazu zu leisten, ohne dass eine Bevormundung eintritt, so dass die Bevölkerung ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen kann“.

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