Freunde verschandeln Einrichtung einer Uelzener Gaststätte mit Gekritzel und rassistischen Symbolen

Uelzen: Hakenkreuze auf dem Imbiss-Tisch

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Weil er Hakenkreuze in einen Imbiss-Tisch geritzt haben soll, sollte sich ein 24-Jähriger vor dem Amtsgericht verantworten. Doch der Angeklagte erschien nicht.

Uelzen. Es sollte nur ein Spaß unter Freunden sein, ein Zeitvertreib. Doch die Staatsanwaltschaft Lüneburg bezeichnet die Schmierereien, die eine Clique im Februar dieses Jahres auf einem Tisch in einem Uelzener Imbiss hinterlassen hat, als Sachbeschädigung.

Eigentlich ist neben der 21 Jahre alten Frau, H., auch ihr ehemaliger Kumpel angeklagt. Der soll mit einem Schlüssel Hakenkreuze in den Imbiss-Tisch geritzt haben. „Das geht gar nicht“, sagt der Eigentümer des Imbisses vor Gericht aus, der sein Personal durch die Aktion beleidigt sieht. „Wir haben viele ausländische Mitarbeiter!“ Der Angeklagte selbst hört das jedoch nicht, er ist nicht erschienen. Jugendrichterin Claudia Hagemann schickt die Polizei los. Ein paar Minuten später erfährt sie, dass der 24-Jährige derzeit in Holland weilt.

Sein Fernbleiben von der Verhandlung erklärt er damit, dass er Analphabet sei und die Vorladung nicht hätte lesen können. Das hält das Gericht für eine Ausrede, immerhin wohnt der junge Mann mit seiner Familie zusammen. „Jemand hätte ihm die Vorladung vorlesen können“, ist sich die Staatsanwältin sicher.

Gegen H. wird trotzdem verhandelt. Zwar hat sie keine rassistischen Symbole in den Tisch geritzt, dafür aber ein Tic-Tac-Toe-Feld in der Größe von 20 mal 20 Zentimetern. „Ja, ich habe das Kästchen gemacht“, gibt H. zu.. Sie habe dann Kreuze in die Felder geritzt, ihr ehemaliger Kumpel Kreise. „Ich hab’ mir nichts dabei gedacht. Ich wusste nicht, dass das so tief geht.“ Immerhin entstand durch das Ritzen an dem Tisch ein Schaden von 250 Euro.

„Haben Sie sich mal bei dem Eigentümer entschuldigt?“, will die Richterin wissen. H. antwortet kleinlaut: „Nein, ich bin seitdem nicht mehr hingegangen.“ Zumindest holt sie das während der Verhandlung nach. „Ich verhänge auch kein Hausverbot, weil sie sich entschuldigt hat“, erklärt der Geschädigte.

Das Gericht beschließt, das Verfahren gegen die junge Frau einzustellen, wenn sie den entstandenen Schaden finanziell ausgleicht. Für den abwesenden Mitangeklagten wird die Sache allerdings noch ein Nachspiel haben, kündigt das Gericht an.

Von Sandra Hackenberg

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