Haftstrafen mit und ohne Bewährung im zweiten Prozess gegen Douglas-Bande

„Freiheit auf Probe“

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Uelzen/Lüneburg. „In U-Haft gehst Du seelisch kaputt. Jetzt muss Schluss sein. Ich muss mein Leben ändern.“ Es waren Sätze von Mostafa E., in denen eine Mischung aus Demut, Bedauern und Erleichterung mitschwangen. Minuten zuvor hatte der heute 18-Jährige nach gestern knapp achtstündiger Verhandlung sein Urteil im zweiten Prozess gegen Mitglieder der Douglas-Bande von der 1. Großen Jugendkammer des Landgerichtes Lüneburg erhalten:

Wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung sowie körperlicher Körperverletzung wurden Mostafa E. zwei Jahre und vier Monate Haft aufgebrummt. Gleichzeitig wurde der Haftbefehl bis zum Tag, an dem das Urteil rechtskräftig wird, aufgehoben.

Dass der Anwalt des aus Uelzen stammenden Jugendlichen Revision einlegt, dürfte wenig wahrscheinlich sein. Denn: Sowohl beim Fall von Mostafa E. als auch bei den gleichzeitig verhandelten Delikten der ebenfalls Angeklagten Hamze E. (20), Iza I. (18) und Achmed B. (19) hatte es zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung in den vergangenen zwei Wochen seit Prozessbeginn Verfahrensabsprachen gegeben (AZ berichtete). Diese waren Grundlage der Urteile. Während Mostafa E’s. Strafe ohne Bewährung zur Anwendung kommt, wurden Iza I. zu einem Jahr und acht Monaten und Achmed B. zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung wegen versuchter besonders schwerer räuberischer Erpressung beziehungsweise gefährlicher Körperletzung verurteilt. Etwas differenzierter lautet der Richterspruch beim vierten Angeklagten, Hamze E.: Der 20-Jährige erhielt eine Haftstrafe von zwei Jahren. Ob dieses Urteil zur Bewährung ausgesetzt wird, entscheidet sich in den kommenden sechs Monaten. Richter Axel Knaack: „Wenn Du nichts machst, gibt es Bewährung. Wenn Du Scheiße baust, marschierst Du ab.“ Markige Worte. Damit nicht genug – der Vorsitzende Richter schrieb allen vier jungen Männern weitere unmissverständliche Sätze ins Stammbuch: „Das ist quasi Freiheit auf Probe. Sie stehen – auch in der Uelzener Öffentlichkeit – unter extremer Bewährungsaufsicht. Sie haben in den vergangenen Jahren – das zeigen ihre Vorstrafen – die Rechtsordnung massiv gestört. Gleichzeitig gibt es gewisse Ansätze der Besserung.“ In dem Zusammenhang nannte der Richter unter anderem die „umfassenden und glaubwürdigen Geständnisse“ sowie die persönlichen und öffentlichen Entschuldigungen im Gerichtssaal bei Zeugen und Geschädigten. Dass Urteil und mahnende Worte offenbar auf fruchtbaren Boden fallen können, versprach Hamze E.: „Ich schließe mit meiner Vergangenheit ab.“ Ergänzendes Schlusswort des Richters: „Ich hoffe, dass wir uns hier nicht wiedersehen.“

Von Andreas Becker

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Die zweite und letzte Chance

Während die Verteidiger von „angemessenen Urteilen“ sprachen, waren Verurteilte und deren Familienangehörige einfach froh, dass jetzt endlich alles vorbei ist. Erleichtert dürfen auch Zeugen, Geschädigte und Medienvertreter sein, die in den vergangenen Wochen und Monaten Angst und Druck ausgesetzt waren. Ab sofort gilt für alle Beteiligten: Aus den gemachten Erfahrungen lernen und in die Zukunft blicken. Nutzen die Verurteilten ihre zweite Chance, gehört die Douglas-Bande der Vergangenheit an. Verbocken die jungen Männer ihre Chance, wird das Gesetz mit aller Härte zuschlagen. Andreas Becker

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