Amtsgericht verurteilt Jelmstorfer

Haft und Bewährung für Brüder

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Uelzen/Jelmstorf. Etwa zwei Dutzend Taten seit Anfang vergangenen Jahres gehen auf ihr Konto – gestern wurden nun zwei Brüder aus Jelmstorf dafür bestraft: Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Uelzen hat den Älteren der beiden, einen 24-Jährigen, zu drei Jahren Haft verurteilt.

Gleichzeitig ordnete Richterin Angela Neßelhut die Unterbringung wegen Alkohol- und Drogensuchts in einer Entziehungsanstalt an. Gegen den 18-jährigen Bruder wurde eine zweijährige Haftstrafe verhängt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Jüngere wurde nach Jugendstraftrecht verurteilt, weil er bei den Taten noch minderjährig gewesen ist. Das Urteil ist rechtskräftig.

Im November vergangenen Jahres war das Duo nach einer langen Tatserie im Raum Bevensen und Uelzen in Untersuchungshaft genommen worden. In unterschiedlichen Täterzusammensetzungen verübten die beiden gemeinsam mit der 17-jährigen (inzwischen schwangeren) Freundin des 24-Jährigen sowie der 20-jährigen Schwester der beiden Brüder unter anderem Einbrüche, Diebstähle, Sachbeschädigungen und Brandstiftungen. Die 17-Jährige kam mit einer Vorbewährungsstrafe davon, die 20-Jährige sprach das Gericht frei.

Immer wieder war vor allem die Tankstelle in Jelmstorf das Ziel der Täter, in die sie einbrachen und aus der sie vor allem Alkohol stahlen. Außerdem hatten die jungen Leute wiederholt Strohballen auf einem Jelmstorfer Bauernhof angezündet und waren unter anderem in Supermärkte eingebrochen.

Für Richterin Neßelhut stand fest: Ohne den negativen Einfluss des 24-jährigen Angeklagten hätten wohl weder sein jüngerer Bruder noch seine Freundin Straftaten begangen. Mehr noch: Als der heute 18-Jährige eines nachts nach einer Auseinandersetzung mit dem Bruder verletzt und nur mit einer Unterhose bekleidet an der B 4 von der Polizei aufgegriffen wurde, habe er sich den Beamten anvertraut: Er wolle nicht mehr zurück in seine Familie.

„Das ist der kleine Bruder, der so vieles machen musste“, raunte Richterin Neßelhut kopfschüttelnd in Richtung großen Bruder samt Freundin, die den Jüngeren angestiftet hätten. Weil bei dem 18-Jährigen „noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft“ seien, sei eine Jugendhaftstrafe nicht zwingend erforderlich, so die Vorsitzende. Sie hoffe, dass der junge Mann das Urteil als Chance für einen kompletten Neuanfang nutze.

Während gegen ihn der Haftbefehl aufgehoben wurde, ging der ältere Bruder nach der Urteilsverkündigung wieder zurück in die JVA Lüneburg, bis er seine Haftstrafe in einer Entziehungseinrichtung antritt. Sowohl Richterin als auch Staatsanwältin befürchteten bei dem 24-Jährigen Wiederholungsgefahr. Obwohl er die meisten seiner Taten unter Einfluss von Alkohol und Drogen ausgeübt hat, sah das Gericht keine verminderte Schuldfähigkeit. Auch ein Psychiater hatte dem Angeklagten die volle Schuldfähigkeit attestiert.

Von Ines Bräutigam

Einen zweiten Artikel zu den kriminellen Brüdern finden sie in der Dienstagsausgabe der AZ.

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