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Händler und Geschäftsleute äußern sich zur möglichen Evakuierung in Uelzen

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Von: Norman Reuter

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Werden die Fachfirmen bei der Suche nach Blindgängern fündig, haben Geschäfte in Uelzen am Sonnabend zu schließen.
Werden die Fachfirmen bei der Suche nach Blindgängern fündig, haben Geschäfte in Uelzen am Sonnabend zu schließen. © dpa/Peter Kneffel

Einbußen durch die Pandemie, weniger Kunden durch die Innenstadt-Baustellen und jetzt noch ein möglicher Schließtag wegen Bomben-Entschärfungen. Der Fund von Blindgängern wäre für Uelzener Händler wirtschaftlich hart.

Uelzen – Er findet deutliche Worte. „Das wird ein immenser Schaden, wenn es so kommt“, sagt Uwe Schwenke, Geschäftsführer des Modehauses Ramelow an der Uelzener Bahnhofstraße. Mit Sorge blickt er auf den morgigen Sonnabend, an dem er womöglich das Geschäft nicht öffnen kann, sollten tatsächlich Blindgänger in Bahnhofsnähe gefunden werden.

Nach Corona-Lockdowns und Bauarbeiten an der Bahnhofstraße mit Teilsperrungen wäre das der nächste Schlag ins Kontor. Zu Beginn des Jahres seien die Sonnabende die gewinnstärksten Tage, sagt Schwenke. Im Modehaus mit mehreren Etagen sind dann zu Stoßzeiten bis zu 25 Mitarbeiter im Einsatz. Bei einer in Aussicht gestellten Evakuierung im Fall eines Bombenfundes zwischen 9 und 18 Uhr könnten sie nichts an den Mann oder die Frau bringen. „Katastrophal wäre das“, so Schwenke.

Händler und Geschäftstreibende haben bei entdeckten Blindgängern und damit verbundenen Evakuierungen das Nachsehen. „Ein Bombenfund und die damit einhergehenden Maßnahmen gelten als höhere Gewalt“, erklärt Stadtsprecherin Ute Krüger. Dies sei auch durch die Rechtssprechung festgestellt.

Dass die Evakuierung ausgerechnet auf einen Sonnabend fallen könnte, treibt auch Uwe Wolff um, der an der St.-Viti-Straße ein Edeka-Center betreibt. Freitags und sonnabends zählt er die meisten Kunden. „Dann ist auch noch Monatsende“, sagt Wolff.

Die Stadt erklärt zum Timing: „Der Termin einer möglichen Evakuierung ist gebunden an Gleissperrungen mit entsprechenden Auswirkungen auf den Bahnverkehr.“ Diese Sperrungen und damit auch die Evakuierung am Sonnabend sei von der Deutschen Bahn so vorgegeben.

Aber es ist nicht nur der Tag, sondern auch die Ungewissheit, ob überhaupt Explosives in der Erde schlummert. Drei Verdachtspunkte bestehen, der letzte soll in der Nacht zu Sonnabend untersucht werden. Sofern nicht schon vorher Blindgänger entdeckt werden, herrscht letzte Gewissheit erst dann.

Händler wie Wolff müssen aber vorab bereits Bestellungen machen: „Molkereiprodukte, Frischeprodukte, Obst“, zählt er auf. Sollte das nicht verkauft werden können, habe er nicht nur einen Gewinn-, sondern auch einen Warenverlust.

Er plane personell so, dass er gegebenenfalls öffnen kann und hofft auf eine möglichst frühzeitige Information, ob es zur Evakuierung kommt.

Ähnlich äußert sich auch Sabrina Rexhausen, stellvertretende Marktleiterin des Hagebaumarkts im Uhlenköper-Park. Man hoffe, in der Nacht zu Sonnabend die entscheidende Nachricht zu erhalten, um dann entsprechend dem Personal Bescheid geben zu können, erklärt sie. Andernfalls werde ein kleines Team von Mitarbeiterin erst einmal zum Markt kommen, das im Evakuierungsfall auch schnell wieder den Arbeitsplatz verlassen könne.

Während die einen noch mit beiden Optionen planen, mussten andere bereits Nägel mit Köpfen machen. Zu ihnen gehört beispielsweise Bettina Rudolph, Inhaberin des Salons „Friseurteam Rudolph“ an der Bahnhofstraße. Sie hatte für den Sonnabend gut 15 gebuchte Kundentermine in ihren Büchern stehen. „Darunter auch Gäste einer Hochzeitsgesellschaft“, berichtet Rudolph. Um diese nicht am Sonnabend vor vollendete Tatsachen stellen zu müssen, wurden die Termine jetzt bereits verschoben oder abgesagt. Auf Verständnis sei sie in den Gesprächen gestoßen.

Auch Alexander von Keller Szepesi hat bereits reagieren müssen. Er führt das Hotel „Stadt Hamburg“ an der Lüneburger Straße mit 34 Zimmern, von denen wegen der Corona-Lage aktuell 70 Prozent belegt werden dürfen. Er hatte für Sonnabend Gästeankünfte geplant.

Die Gäste seien an andere Häuser weitermittelt oder aber ihnen abgesagt worden, damit sie Sicherheit hätten, schildert von Keller Szepesi. Abreisen sollen an dem Sonnabend auch noch vor dem Start der etwaigen Evakuierung stattfinden.

Planungssicherheit für sich und ihre Mitarbeiter wollte Gabriele Cordes-Marschall, Inhaberin des Juweliers Cordes. Sie hat für ihr Geschäft bereits beschlossen, dass es in jedem Fall zu bleibt am Sonnabend. „Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen“, sagt sie. Letztlich habe die Absage des Wochenmarktes sie dazu bewogen. „Es war doch eine große Unsicherheit. Jetzt habe ich für mich und meine Mitarbeiter Klarheit“, sagt sie.

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