Trickbetrüger waren in diesem Jahr im Kreis Uelzen schon neun Mal „erfolgreich“

Güte wird ausgenutzt

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Viele ältere Opfer schämen sich, einem Trickbetrüger auf den Leim gegangen zu sein, und gehen nicht zur Polizei.

Uelzen/Landkreis. Sie gaben vor, Handwerker zu sein, und verschafften sich gestern so Zugang zur Wohnung einer Lüneburgerin. Bei den Männern handelte sich jedoch um Einschleichdiebe, die die Frau um mehrere hundert Euro „erleichterten“.

In Uelzen haben in der vorletzten Woche zwei südländisch aussehende Frauen eine Seniorin um Geld und Schmuck gebracht. Unter einem Vorwand verschafften sie sich Zutritt zur Wohnung.

Silke Munstermann, Sachbearbeiterin im Bereich Prävention der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen, und der für Betrugsfälle zuständige Kriminalhauptkommissar Reinhard Vogel können noch viele weitere Beispiele nennen, bei denen ältere Menschen Opfer von Trickbetrügern wurden, die sich entweder Zutritt zur Wohnung verschafften oder über sogenannte Schockanrufe Senioren dazu brachten, Geld einem Kurier zu übergeben. Vogel spricht von den „tollsten Geschichten“, die den Opfern präsentiert würden. Ausgenutzt würde die Hilfsbereitschaft der Menschen und dies immer wieder mit Erfolg. Silke Munstermann zählt für den Zeitraum von Januar bis Mai neun Fälle aus dem Landkreis Uelzen auf, bei denen die Täter „erfolgreich“ gewesen sind. Vogel geht von einer weit höheren Dunkelziffer aus, weil Opfer sich leider oft schämen würden, auf einen Trickbetrüger reingefallen zu sein.

Vor allem im Bereich der sogenannten Schockanrufe handele es sich, so Reinhard Vogel, um „sehr gut organisierte“ Tätergruppen, die mit klaren Hierarchien – ähnlich einem Unternehmen – aus dem Ausland heraus agieren würden. Die Polizei vor Ort greife, wenn überhaupt, die Kuriere auf, die bei den Senioren unter einem Vorwand das Geld abholen. An die Strippenzieher im Ausland heranzukommen, sei weitaus schwieriger, sagt Vogel. Diese Aufgabe würde auch übergeordneten Dienststellen zukommen, mit denen die örtliche Polizei im Austausch stehe.

Reinhard Vogel macht angesichts der Strukturen der Kriminellen den Opfern wenig Hoffnung, dass sie Geld wiedersehen werden. Silke Munstermann erklärt, dass es soweit jedoch gar nicht erst kommen muss. Sie appelliert an Senioren, skeptisch und vorsichtig zu sein (siehe Tipps zum Schutz). Sollten Senioren einem Trickbetrüger auf dem Leim gegangen sein, so rät sie, in jeden Fall die Polizei zu informieren. „Das hilft uns auch bei der Strafverfolgung“, sagt Reinhard Vogel.

Von Norman Reuter

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